Woher kommt die Abneigung der Händler gegenüber Heckmotoren?

Diskutiere Woher kommt die Abneigung der Händler gegenüber Heckmotoren? im Plauderecke Forum im Bereich Community; Moin, ich muss hier mal meine Verwirrung kundtun. Ich wohne in Norddeutschland wo der höchste Berg kleiner als nen Wohnblock ist und suche...
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killian464

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Moin,

ich muss hier mal meine Verwirrung kundtun. Ich wohne in Norddeutschland wo der höchste Berg kleiner als nen Wohnblock ist und suche aktuell ein neues Pedelec.

Man findet bei den Marken und Händlern quasi NUR noch Mittelmotoren. Und wenn eine Marke wie Simplon ein Modell mit (Neodrives) Heckantrieb hat dann kriegt man das beim Händler nur auf Nachfrage mit großem Murren. Weil "Heckmotoren sind alle schlecht und wir haben nur Probleme damit"..

Ich bin dann mal bei einem Händler gewesen der im Wesentlichen S-Peledecs verkauft (und Roller, Motorräder usw.) und der hatte Fahrräder von Stromer und Klever im Angebot. Auch welche bis 25kmh. Fast nur Heckmotor. Das bin ich mal Probegefahren (Klever X Power) und ICH finde, dass ist ein sooo viel cooleres Fahrgefühl als ein Mittelmotor. War eine kleine Offenbarung wie gut sich das Rad fährt. Auch die Grenze über 25kmh war noch nie so leicht zu fahren wie damit.
Zumindest der Händler konnte den Trend auch nicht verstehen.

Sind die Heckmotoren (Klever , Stromer, Alber Neodrives) alle so unzuverlässig oder gibt's irgendeinen Grund aus der Vergangenheit, warum kaum ein Hersteller die Motoren anbietet?

Mein Gefühl sagt mir, dass ich mir ein Pedelec mit Heckmotor kaufen sollte weil es einfach viel mehr Spaß macht. Aber habe auch wenig Lust, dass das mehr in der Werkstatt steht als unter meinem Hintern fährt. Wenn ich auf die meisten Händler hier in der Gegend höre sollte ich "einen Bosch Motor nehmen, dann hat man keinen Stress damit"..
 
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holzi

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Ein Aspekt wird wohl sein, dass vor knapp 10 Jahren mit Bosch ein Industriegigant auf die Pedelec-Welle aufgesprungen ist und praktisch ein Abfallprodukt der elektrischen Servolenkung in großem Stil auf den Markt geworfen hat. Auch die Zuverlässigkeit der Motoren von Bosch und Shimano ist so, dass die große Masse der Fahrer gut bedient ist. Damit sind die Nabenmotoren zum Exoten geworden.
Vom Fahrgefühl her finde ich, dass die Mittelmotoren ein direkteres Ansprechen und feinere Regelung bieten. Durch den reinen Pedalsensor der meisten Nabenmotoren (ich hab nur einige wenige gefahren und da war das so) reagiert der Antrieb verzögert und fühlt sich für mich "künstlich" an.
 
EMS

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Ich kann dir als langjähriger nabenmotor Fahrer, bei deinem zu erwartenden Fahrprofil, nur zu einem Nabenmotor raten. Leider sind sie durch die Marktmacht von Bosch und Konsorten zu Exoten geworden. Neben Klever und Bosch bietet aber auch Alber mit seinem Z20 einen bewährten Nabenmotor an.
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holzi

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Im Flachland sind die Nabenmotoren auch angemessener als hier im Süden, wo wir doch nennenswerte Hügel haben. Durch die Mitnutzung der Gangschaltung kann man da viel Bandbreite rausholen. Wir hatten ein Testrad vom DLR Lastenradprojekt im Büro, das hatte einen Heckmotor, und noch dazu keine Gangschaltung. Da sind meine Kollegen und ich an etlichen Steigungen regelrecht verhungert. Auch mein Nachbar, ein Pedelecfahrer der ersten Stunde (sein erstes Rad hat er sich 2004 gekauft) und überhaupt Elektrofanatiker (E-Roller, Zero Motorrad, Tesla und Leaf...) ist auch der Meinung, dass Nabenmotoren nichts für unsere Gegend sind. Die haben dann entweder am Berg keine Kraft mehr, wenn man sie am notwendigsten braucht oder sie unterstützen nur bis knapp 20 km/h.
 
oPO

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EIN ACHT ZWEI NULL und näääää ! maschienen fahrer
nach überlegen, denke ich.
Die Konstanz, denn des Motors und die verbrauchte Stromleistung !
Sollte wohl der Umstellungsgrund für die mittelmotoren sein..... :unsure:
Wobei 25Km/h ja auch nicht mit ohne, nuja xD

Ich bleib aber beim ersten:rolleyes:
 
jm1374

jm1374

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Sind die Heckmotoren (Klever , Stromer, Alber Neodrives) alle so unzuverlässig oder gibt's irgendeinen Grund aus der Vergangenheit, warum kaum ein Hersteller die Motoren anbietet?
Der DD Nabenmotor ist von der technischen Seite her zuverlässiger. Bestes Beispiel, mein Go SwissDrive der übermorgen 86.000km gelaufen ist. Es gibt keinen Mittelmotor der eine ähnlich Distanz schafft.

Für die allermeisten Nutzer ist der Nabenmotor vorteilhafter. Warum sich der Mittelmotor durchsetzen konnte, ist mir ein Rätsel. Ich kann mir aber vorstellen dass die Händler mit dem Mittelmotor recht zufrieden sind. Generiert dieser doch einen zuverlässigen Strom von Kundschaft die neue Ketten/Kassetten/Motorritzel eingebaut haben wollen. So ist die Werksatt ausgelastet. Beim Nabenmotor hält der Antriebsstrang bedeutend länger.
 
Freiviking

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Mein Gefühl sagt mir, dass ich mir ein Pedelec mit Heckmotor kaufen sollte weil es einfach viel mehr Spaß macht.
Nur in Norden und in Flachland kann man mit Heckmotor Spaß haben. In Süden ist so ein Motor nutzloses Ballast. Weltmarken Bosch, Shimano, ... wollen globale Märkte erobern und nicht nur Flachland. Deswegen Heckmotor ist ein Nischenprodukt für kleinere Hersteller die können natürlich nicht so viel Geld investieren in die Entwicklung und QS.
 
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Im Grunde genommen bist du mit deinem Thema zwei Jahre zu spät. Vor zwei Jahren war Heckmotor am Ende. Jetzt ist er es nicht. Indessen sind Minimal Assist Konzepte „voll am rulen“. Sie haben kleine Getriebenabenmotoren, die schlanke, leichtlaufende Räder gut gegen den Wind oder den Hügel hoch schieben. Ob Ampler oder Orbea Gain, das sind sehr angesagte Räder unter sportlichen Pedelecfahrern (die gab es früher gar nicht :ROFLMAO: ).

Was im Pedelec am Ende ist, ist der DD-Motor, der direkt-antreibende Nabenmotor ohne interne Übersetzung. Er ist zu teuer in der Herstellung und zu ineffizient, weil jedes Anfahren eine viel höhere Last verursacht als bei Getriebemotoren. Dazu ist der Mittelmotor sehr effizient geworden. Boschs einstufiger Active Plus mit 5/71 Untersetzung und schlauer Motorsteuerung ist sowohl mit als auch ohne Last unglaublich effizient. Und ist viel leichter als ein DD-System.

Auch ist der Ruf des DD-Motors zerstört: BionX ist ein System, das nur dann zuverlässig ist, wenn man selber substantiell Ahnung hat und Schwachstellen beseitigt. Ansonsten reicht eine Fehlbedienung und das System ist geschrottet. Gute Kunden, wie Riese & Müller hatten sich lange abgewendet. BionX ist schon länger insolvent. Go Swiss Drive gibt auch auf, Xion gibt’s nicht mehr. Alber hat sich in der Vergangenheit den Ruf gründlich ruiniert - möglich, dass der aktuelle Motor viel besser ist, nur kauft den niemand mehr. TDCM aus Taiwan baut noch kräftige Motoren zumeist für S-Pedelecs. Aber auch da hört man gelegentlich von Problemen.

Man kann also nicht sagen, dass eine Abneigung gegen das Konzept Heckmotor vorherrscht, denn wir reden ja nicht über prinzipbedingte Nachteile aller Heckmotoren wie den schwierigen Radausbau, die nicht freie Laufradwahl, die Speichenbrüche, den Nachlauf der Motoren, sondern es ist eher eine Abneigung gegen die althergebrachten Motoren aus Erfahrung.
 
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EifelHai

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Ich denke, es ist ein Großteil die Regelung.

Bei den Mittelmotoren ist es fast immer eine gute Drehmomentregelung (Der Motor macht aus meiner Kraft X mal meine Kraft), ich kann trotzdem gut dosieren.

Beim Heckmotor ist ganz oft einfach eine Ein-/Aus (Pedaliert / Pedaliert nicht) Regelungg vorhanden. Das ist gefühlt ganz weit weg vom "Bio-"Fahrradfahren.

Ich hatte Anfangs ein einfaches MTB mit Heckmotor, da gab es Situationen in denen der Motor voll einsetzte, obwohl ich die Pedale nur wenig bewegt habe, und erst nach längerer Verzögerung (1 Sek, z.B.) wieder ausging. Was das aber an kniffligen Stellen im Gelände bedeutet mag isch jeder selbst überlegen. Deshalb MTB nie ohne Dremomentregelung (und dann sind eben die meisten Heckmotoren raus). Weiterer Vorteil: Am steilen Berg hilft meine Gangschaltung auch dem Motor, der Heckmotor mag längere Strecken bei sehr geringer Geschwindigkeit gar nicht.

Mit dem Tourenrad (S-Ped bei mir) auf dem asphaltiertem Radweg mag das oben alles nicht zählen. Aber für mich fühlte sich der Heckantrieb an wie ein E-Mofa (ich musste nur die Pedale ohne Kraftz mitdrehen, der Motor schob), der Mittelmotor mit Drehmomentregelung fühlt sich viel mehr nach Radfahren an, und darauf lege ich auch wert.

Nur meine Meinung, Danke fürs zuhören ...
 
MisterFlyy

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Was im Pedelec am Ende ist, ist der DD-Motor, der direkt-antreibende Nabenmotor ohne interne Übersetzung. Er ist zu teuer in der Herstellung und zu ineffizient, weil jedes Anfahren eine viel höhere Last verursacht als bei Getriebemotoren.
Zu teuer? Da widerspreche ich mal. Das komplette Laufrad mit Motor kostet für das Klever B Pedelec 330€.
Was kostet ein Mittelmotor?

@killian464 zu deiner Frage. Ich habe keine Abneigung. Ich mag ihn.
Mein erstes S-Pedelec hatte einen Bionx-Antrieb und jetzt fahre ich ein Klever New B-Speed.

Deshalb MTB nie ohne Dremomentregelung (und dann sind eben die meisten Heckmotoren raus).
Meine nicht :D weder Klever noch Bionx.
 
Fraenker

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Für die allermeisten Nutzer ist der Nabenmotor vorteilhafter. Warum sich der Mittelmotor durchsetzen konnte, ist mir ein Rätsel.
Mir ist das überhaupt kein Rätsel.
Du kannst jeden Kunden mit jedem Mittelmotor losschicken und er wird an keinem Streckenprofil scheitern. Alles geht.
Das meiste geht auch mit einem Nabenmotor, aber eben nicht alles. Und schon gar nicht mit jedem Nutzer.
Also wird die eierlegende Wollmilchsau auf dem Markt gepusht.
Ist für die Händler und auch für die Hersteller vergleichsweise unkompliziert. Der Handel geht da einfach den Weg des geringsten Widerstandes.
Und ich als begeisterter Nabenmotorfahrer darf das sagen :) .
 
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Electric

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Zu teuer? Da widerspreche ich mal. Das komplette Laufrad mit Motor kostet für das Klever B Pedelec 330€.
Was kostet ein Mittelmotor?
So ein Quatsch! Wo ist denn da der Motor? Der Motor bei Bosch kostet von 228,31€ (Active bei Abnahme von über 500) bis 526,94€ (Performance 45 bei Abnahme 1-10). Unverhandelt, Liste. Die liegt mir vor.
 
Fraenker

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Sorry, das war natürlich falsch. Ich meinte neben Klever und Stromer...
Da war ich beim Schreiben schon mit den Gedanken voraus beim nächsten Satz.
Aber mittlerweile wurden ja die Boschnabenmotoren für Elektroroller (NIU) erwähnt (@Electric ).
 
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holzi

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Kann es nicht auch sein, dass die Nabenmotoren erst im Rahmen der S-Pedelecs ihre Vorteile ausspielen können? Ich meine einfach, dass 250W ohne Getriebe die Fuhre einfach nicht ohne weiteres den Berg rauf bringen.
 
EMS

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Beim Heckmotor ist ganz oft einfach eine Ein-/Aus (Pedaliert / Pedaliert nicht) Regelungg vorhanden.
Bei Bionx, GoSwiss und Alber ist das definitiv nicht der Fall.

@killian464: Einfach verschiedene Räder und Antriebe Probefahren. Du siehst ja, 4 Antworten ergeben 5 Meinungen und jeder meint er hat den besten Ratschlag.
 
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