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Tour Ueberquerung der Sierra Nevada mit E-MTB

Dieses Thema im Forum "Treffen, Touren, Reiseberichte" wurde erstellt von maspalomas, 10.08.17.

  1. maspalomas

    maspalomas

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    Am 20.06.17 habe ich ein Thread geoeffnet: Ein Umbau fuer die Ueberquerung der „Sierra Nevada“
    Die technischen Deteils des E-Bikes sind dort beschrieben, wenn´s interessiert.

    Jetzt wo ich zurueck bin werde ich ueber den Ablauf der Ueberquerung berichten.

    Die Anfahrt:

    Am Samstag den17. Juni habe ich mich, in Richtung Sierra Nevada, Zuhause verabschiedet.
    1.JPG

    Um 11:00 das bepackte Fahrrad in mein „Kangoo“ festgezurrt .

    2.JPG
    Um 14:00 hat die Faehre Las Palmas verlassen und nach 48 Stunden, 1300km entfernt, in Hafen von Cadiz angelegt.
    3.jpg


    Die Ueberfahrt war dank zweier Bekanntschaften kurzweilig, einmal mit der Barbara, eine sehnige grossgewachsene deutsche Frau so um 45, die solo mit ihrem schweren BMW R 1200 GS.....in den Kanaren unterwegs war und nun, auf der Heimreise, viel zu erzaehlen hatte; des weiteren mit Manolo, ein lustiger Canario, der mit seinem 650er Honda Deauville Barbara auf Schritt und Tritt folgen wollte aber bedenken hatte, seine fragiles Kegelrad/Tellerrad wuerden, wie so oft, ein Strich durch die Rechnung machen.
    Es wurde also rege geschwatzt, viel gelacht und die Zeit flog so dahin.

    Auf dem Weg nach Granada (350km), entdeckte ich, von weitem, eine interessante, mittelalterliche Stadt "Olvera" mit eine wunderschoene Kirche und ein Ritterburg. Dort habe ich zu Mittag gegessen .
    4Olvera.JPG

    Am 19.07. abends stand ich schon vor dem Camping „La Reina“ in Zubia, ein Vorort von Granada.
    5.jpg

    Ich hatte fuer 2 Naechte ein Holzbungalow reserviert. War mit Klimaanlage, sehr sauber, und mit alles erdenkliche ausgestattet.
    Das Fahrrad konnte ich mit reinnehmen, die Batterien laden, das Hinterrad ausbauen und ein exessives Lagerspiel der Hinterachse, der uebersehen wurde, noch rechtzeitig nachstellen.

    Hier war im Nachbarbungalow eine nette Spanierin, die sich zufaellig als Canaria entpuppte.
    Also hatte ich auch hier eine angeregte Unterhaltung.

    Die 1. Etappe:

    Am Mittwoch den 21. um 8:00 ging´s los.
    Musste mich in Granada, westlicher Richtung, durch den Berufsverkehr, nach „Fuente de la Bicha“, wo „Ruta Colesterol“ anfaengt durchkaempfen.
    Eine widerliche Erfahrung fuer jemanden, der sonst laendlich wohnt.

    Lauter Autofahrer, die zu lange geschlafen, aber nicht zu spaet zu Arbeit kommen wollten !

    Einmal haette mich ein weisser Audi auf dem ZEBRASTREIFEN fast umgebuegelt. Ich musste vom Sattel springen, dabei habe ich wohl einen Stecker am Wattmeter rausgerissen . Im Panik hat es lange gedauert, bis ich geschnallt habe was passiert war. Als der lose Stecker entdeckt und wieder eingesteck war, funktionierte alles wieder.
    Man musste so intensiv auf´s Verkehr achten, dass man mit Navigieren kaum noch nachkam. Habe mich also oft verfahren.
    Folglich waren 2 Stunden vergangen als ich, fertig mit den Nerven, aus der Stadt raus war.

    Nun fuhr ich ca. 15km auf dem idyllischen Wanderweg, „la Ruta Colesterol“, parallelfuehrend mit dem „Rio Genil“, manchmal rechts und manchmal links des Flusses.
    6.JPG

    Durch ihre Ruhe und schoenheit entschaedigte sie all den erduldeten Schmach.
    Zauberhaft plaetscherndes Wasser, gruen und nochmal gruen, herrliche bunte Blumen, maerchenhafte Fussgaengerbruecken, Brunnen aus dem mann kuehles Wasser schoepfen konnte, Joggerinen mit huebsche Figuren. Alles herrlich fuer das Auge.
    7.JPG

    Rio Genil fliesst von der Hoehen Sierra´s und wird nach dem Dorf Gueejar Sierra zu einer grossen See gestaut, der sich in Richtung Granada etwa 5km lang zieht.
    10.JPG



    Ich fuhr sehr langsam, bio und es waere mir am liebsten, dieser Weg haette nie aufgehoert!

    In dem Ort „Pinos Genil“ war es aber soweit.
    Witer ging es nun auf schmal asphaltierte Dorfstrassen mit trockener Umgebung, steil bergauf. Nach 12:00 stieg die Temperatur recht hoch.
    Der Motor wurde jetzt, mit wenig Unterstuetzung, eingeschaltet und mein T-shirt begann feucht zu werden.
    Der Tacho zeigte 33km als ich in ein hoch gelegenes Dorf „Gueejar Sierra“ ankam und nicht wusste wie es weiter geht.
    Das Dorf befindet sich an einem Steilhang mit abschuessigen, sehr schmalen, links und rechts engbebauten, kopfstein gepflasterten, Hauptstrasse.
    Als ein VW T4 in 1. Gang hupend hoch kam, mussten die Fussgaenger in den Haeusereingaengen fluechten, so eng war es.
    Mein Fahrrad aber passte nicht in dem schmalen Hauseingang und es kam zu einem Verkehrsinfarkt.
    In dem Moment kam zufaellig ein Mann mit einem Selbstbau-Pedelec hinzu, er regelte die Situation. Ein Haustuer wurde geoeffnet, die Raeder laengst reingestellt und es ging weiter.
    9.JPG

    Der war es auch, der freundlich und hilfsbereit die steile Strasse, meinetwegen weit runter fuhr, um mir den Weg zu zeigen.
    Als er von mein Vorhaben hoerte, meinte er, sein Pedelec sei nur ein Verkehrsmittel, bar jeder sportlichen Ambition, und er koennte sich nicht vorstellen, wie man mit einem Pedelec die Sierra ueberqueren koennte.
    Er warnte mich auch, vor dem was mir unmittelbar bevor stand und sagte, er wuerde eine laengere aber weniger steilen Route waehlen.
    Dann verabschiedeten wir uns. Genau nach 3km wusste ich, was er gemeint hatte.
    Den Rio Genil habe ich jetzt zum letzten mal ueberquert, auf der anderen Brueckenseite (links im Bild) stand urploetzlich die„Hazallanas Climb“(siehe Tafel) eine offizielle Etappe der -Vuelta España- mit 22% Steigung, vor mir....Oh Gott .
    12.jpg
    Es war schon 14:30, die Sonne stand fast in Zenit und ein verstohlener Blick auf dem VDO zeigte 48ºC!
    Die „Haza Llanas“ ist bekannt als die steilste Strecke in spanischen Strassennetz.
    Ich hatte nur noch 1,5l Wasser und ab jetzt war´s staubtrocken. Es wurde ernst und vorbei mit Friede, Freude und Eierkuchen. (Morgen berichte ich weiter).
     
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  2. maspalomas

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    Ich ging die Strecke an, so stramm ich konnte , habe dennoch zeitweise 650W abrufen muessen.
    Der Motor lief zwar nicht heiß, ich aber schon.
    Immer wenn der Puls ueber 165 stieg, habe ich angehalten, unter einem Buschbaum Schatten gesucht und einen Schluck wasser getrunken. Richtige Baeume waren ja keine mehr da.
    13.JPG
    10km vor dem Etappenziel, „Skigebiet Pradollano“, hatte ich kein Wasser aber Durst.
    Auf einamal entdeckte ich, hinter einer Kurve einen VW Golf, der auf seinem Anhaenger ein Verkaufsstand betrieb.
    Habe gestoppt. Der Verkaeufer schaute mein Bike an, war neugierig, sehr redseelig, und fasellte unaufhoerlich. Ich hingegen, kriegte aus dem trockenen Hals keinen Ton raus.
    Wortlos habe ich mir, fast mit Gewalt, eine 0,5l. Wasserflasche geschnappt und auf einem zug leergetrunken.
    Erst danach konnte ich, bedingt, Laute hervor bringen.
    An diesen Tag hatte ich mehr als 5ltr. Wasser getrunken, aber nur einpaar Mandeln und einwenig Datteln gegessen.

    den 2075m hohen Skigebiet Pradollano 2075m, wo ich ein Studio reserviert hatte, habe ich erst spaet erreicht.
    15.JPG


    16.JPG

    Zu tode erschoepft angekommen, wollte man mir den Schluessel des reservierten, bezahlten und bestaetigten Apartments nicht aushaendigen (Betrug).
    Das Zimmer.JPG
    Aus Muedigkeit bin ich den naechtlichen Disput aus dem Weg gegangen und habe dem Schluesselwaerter nochmal 35€ gegeben um meinen mueden Leib langlegen zu koennen.
    Das Fahrrad wurde zum aufladen reingestellt. Beide Batterien ( 21Ah) waren leer gelutscht,
    haben die ganze Nacht gebraucht um mit 2A-Lader wieder voll zu werden. Das leichte Ladegeraet wurde am offenen Fenster (im Bild) plaziert.Hatte Sorge es koennte, durch die lange Ladezeit, heisslaufen und ausfallen. Dann haette ich die Runde an Sierra Nevada verloren.

    P6210077.JPG
    Dann wurde heiß geduscht. Nur an diesem 1. Tag neigten meine Oberschenkel zu Verkrampfen, Heisses Wasserstrahl hilft bei mir.

    Zum Ladewechsel wurde der Wecker gestellt und danach geschlafen wie ein Baer.
    Gegen Fruehmorgen klingelte mein Handy, das Ladegeraet wurde umgesteckt, bis die kleine Batterie auch voll war.

    Ausfaelle und Sturze, an dem Tag, hatte ich keine.

    Das war also die erste Keule!
    Es sollte aber noch dicker kommen!

    Morgen wird weiter berichtet.

    Die 2. Etappe Don. 22.Juni
     
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  3. maspalomas

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    In 2075m, bei herrlichen Sonnenschein und nur 16º Temp. musste ich, bis Mittag, auf 3450m steigen und war hungerig wie ein Wolf.
    In diversen Videos hatte ich gesehen, dass in „Hoya de la Mora“, noerdlich Pradollanos , wo der beruehmte Schlagbaum alle Motorfahrzeuge sperrt, ein riesiger Parkplatz ist mit Cafes und Restaurants, wo ein lustiger Haufen Menschen draussen sitzen und sich vor dem Aufstieg noch ein mal staerken .
    Ergo wollte kein Fruehstueck im Hotel, sonder mit nuechternen Magen die 8km hoch zum Parkplatz, und dort zwischen Gleichgesinnten mitmischen.
    Aber was finde ich da oben?...... Einen Leerstehenden, dreckigen, verwahrlosten Parkplatz mit traurigen geschlossenen Cafe´s, Huetten und kioske.
    Der krumme, verrostete Schlagbaum stand sperrangelweit offen und ausser mir war keine Menschenseele weit und breit!.....Was mache ich jetzt?.....ich habe Hunger !.....Wo sind die buntgekleideten Menschen.....wo bleibt der heisse Cafe......wie gehts jetzt weiter ?
    Ich wusste, es musste in der Naehe eine Jugendherberge namens „Alberque Universitario“ geben.
    Also holte ich mein Fernglass raus und habe tatsaechlich in 1km entfernung die Herberge ausgemacht.
    19.jpg
    Der Wirt hatte gerade die Theke geoeffnet und war noch guter Laune.
    “ Ich muss dir ein Bocadillo alá „Pico Veleta“ machen (ein belegtes Brot), damit du da hoch kommst, Juger Mann“, sagte er.

    Er wollte wissen ob ich warme Kleidung dabei hatte..... „Aufs Wetterbericht ist im Gebirge kein Verlass und wenn es umschlaegt, dann helfe dir Gott“.

    Ich sagte, „ steht doch in der Broschuere, in Notfall 112 waehlen und es kommt Hilfe. Deshalb sollte man immer, mit geladenem Handy aufsteigen“.

    „ Alles gelogen", sagte er...."Da oben hast du keinen Empfang.... Sie Haben an Sendemasten gespart“.

    Nun kam noch ein alter Einheimischer hinzu, der mein Bike bewunderte und einpaar Fotos gemacht hat.
    Er sagte. „ ich kenne jeden Winkel dieser Gebirge, du kannst die Sierra ueberqueren aber den „Mulhacen“ kannst du nicht hochfahren der ist unfahrbar“.
    Ich sagte. „Aber ich habe Bilder wo Radfahrer mit ihren Mtb´s am Mulhacen posieren.“

    „Ja..... wenn du Jung bist, kannst du bis 1,5km ran fahren aber dann muss du dein Fahrrad auf dem Buckel tragen......Kannst du das schweres Rad so hoch tragen?“

    Ich dachte wir werden sehen.......Und das war fatal !

    Nun zeigte er mir, mit Fernglas, welcher Gipfel „Veleta“ und welcher „Mulhacen“ war.
    Veleta ist im Bild, mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Da muss man die Sierra ueberqueren!
    20_LI.jpg

    Ich verabschiedete mich und bin, durch den offenen Schlagbaum und musste auf der Piste 3.450m Hoehe erreichen und
    Es lag schon Schnee umher .
    Schnee.jpg

    Um 12:30 hatte ich den Gipfel "Pico Veleta" erobert. Es war einfach grossartig.
    Da oben ueberkam mich ein intensives Bewustsein fuer das LEBEN und ein Gefuehl der Dankbarkeit. Es war gar nicht selbstverstaendlich hier oben zu stehen, es musste menschlich und technisch und auch sonst vieles gelingen, vielles zusammen passen, vieles durfte nicht passieren, bis ich mit 75 hier oben stehen konnte.

    24.jpg

    Habe mich gefreut, das Bike gebaut, diesen Abenteuer geplant, vorbereitet und schliesslich durchgefuehrt zu haben.

    20170622_115945.jpg

    Es war einfach berauschend und die Welt lag mir zu Fuessen.
    Unten war alles ameisenklein, Man konnte rundum weit weit schauen. Die Luft war duenn aber frisch.

    Als ich mich etwas ausruhen wollte, kamen zu meiner Freude, einige junge Mtb-ler hoch getreten.

    MTB ler.jpg

    Gruessten freundlich, haben sich fuer mein Bike und fuer mich sehr interessiert. Sie hatten so ein E-Bike noch nicht gesehen und stellten 1000 Fragen. Es kam eine tolle Stimmung auf.

    23.jpg
    Den Rest meiner Datteln habe ich unter ihnen verteilt und mich lange mit ihnen unterhalten.......vieleicht etwas zu lange, denn ich geriet aus dem Zeitplan.

    Die Legende sagt, dass "Mulhacen" ein maurischer Emir war. Richtig muss er wohl Moula Hassan geheissen haben.
    Mulhacen´s Gemahlin hatte eine huebsche spanische Zofe mit blauen Augen. Mulhacen und die schoene Zofe verliebten sich. Die Gemahlin hat aus Eifersucht Mulhacen vergiftet.
    Als er am Abend starb, hat die Gemahlin, aus Zorn, beschlossen am naechsten Tag seine Leiche zu verbrennen.

    Die Zofe aber, hat aus Liebe, ihre Freunde und Familie zusammen gerufen , und gefleht die Leiche Mulhacens auf dem Hochsten Punkt der Sierra Nevada zu verstecken, damit es nicht verbrannt wird.
    So entstand die Legende „Mulhacen“.
    Auf dem Bild ist der 1. Gipfel, links neben den Stab, der Mulhacen.

    Mulhacen markiert.jpg

    Offiziel ist Mullhacen, wie Veleta, mit einer Betonsaeule und einen kleinen Tafel markiert.
    Das Grab Mulhacens ist aber etwa 75m, in Sichtweite, entfernt !

    Obwohl beide Gipfel, „Veleta“ und „Mulhacen“ nur wenige kilometer entfernt sind, ist laut Komoot ein Umweg von ca. 15Km unumgaenglich, da der direkte Weg, auch fuer Wandere zu Fuss schon schwierig ist.

    22.jpg
    Also habe ich Veleta und damit die Sierra Nevada ueberquert, auf der Suedseite 13km Offroad (S2) runter gesaust. Hier waren die beruehmten messerscharfen Schiefersteine, die einen Reifen wie Kaese durchschneiden koennen. Man muss sie umfahren drueber huepfen oder absteigen und schieben.
    Ich konnte die ersteren Methoden anwenden und kam unbeschadet an der Kreuzung an, wo es links ein schmaler, steiniger, zu naechst (S3) Trail, mit dem Schild „fuer Fahrraeder verboten“ nach Mulhacen zeigte. (von nach Mulhacen FUEHREN konnte keine Reede sein) !
    nach Mulhacen.jpg
    Bockig wie ich bin, wenn ich mir was in Kopf setze, habe ich auf den Mann in der Jugendherberge nicht gehoert, das Schild missachtet.

    (Morgen berichte ich weiter)
     
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  4. Georg

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    Das ist ja schon der reine Wahnsinn, was Du da schreibst! Ohne Fotos würde Dir das kein Mensch glauben.
    Ich finde es super, einfach toll! Mache so weiter!
    Ich bewundere Dich!
    Du hast erkannt, dass der weitaus gefährlichste Platz um zu Tode zu kommen, das Bett ist.
    Anscheinend hast Du eine junge Fotografin dabei. ;)
    Oder wer macht die Fotos?
    Ich wünsche Dir alles Gute!
     
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  5. maspalomas

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    Georg, hast du mal beobachtet, dass die Gluehbirne, bevor sie durchbrennt noch einmal richtig hell aufleuchtet?
    Das mit dem "mach so weiter" wird sich bei mir schwierig gestallten.:LOL:
    Haette ich schon gerne......Nein ich hatte einen alten Selfi/Tripod mit Bluetooth dabei.
    Dank und Gruss.
     
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  6. Old Grizzly

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    Ich denke die glüht bei dir noch eine ganze Weile.;)
    Danke für deinen schönen und spannenden Tour(Tortour)Bericht.
    Mach weiter so mein Freund.
     
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  7. maspalomas

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    Grizzly mein Freund; du hast mich nach der Sierra-Tortur, in La Palud du Verdon durch das Paradies gefuhrt. Ohne dich haette ich die wurderschoenen Winkeln der Alpen und die anspruchsvollen Trails
    niemals finden koennen.
    Ich bedanke mich dafuer und auch fuer das interessante Geplauder.
    Du hast das Herz am rechten Fleck.
    Herzlichen Gruss. Grizzly und Maspalomas.jpg Lac St. Croix.jpg
     
  8. raptora

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    Ihr 2 seid ja echt die beste Motivation für die nächsten 40 Jahre weiter zu planen (O.K, dann bin ich knapp 90) :D

    So viel Spaß und Lebensfreude ist ja fast ansteckend :)....... (y)

    Übrigens die Sierragegend war auch viele Jahre im Winter mein zuhause,
    wir hatten da ein Haus im Örtchen Otura nahe Granada.

    Traumhafte Gegend und auch Granada ist für mich eine der schönsten Städte der Welt :)

    Weiterhin viel Spaß (y)(y)(y)
     
  9. Carmageddon

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    Grossartig! Höchsten Respekt vor solchen Unternehmungen! Weiter so!
     
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  10. trialero

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    mehrere
    Mir fehlen die Worte,und das im positiven Sinn,sowas durchzuziehen und in dem Nicht mehr Jugendlichen Alter..... Klasse
    RESPEKT RESPEKT RESPEKT(y)(y)(y)
     
  11. raptora

    raptora

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    Ist doch erst gerade über knapp 70 raus, da bleiben ja noch gute 30 Jahre übrig :)

    Denkt an Jopi Heesters (y)
     
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  12. maspalomas

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    Bockig wie ich bin, wenn ich mir was in Kopf setze, habe ich auf den Mann in der Jugendherberge nicht gehoert, das Schild missachtet, nach dem schwarzen Mulhacen hoch geschaut......
    Nach mulhacen hoch geschaut.jpg

    die Gabel 4cm gesenkt, den Sattel 3cm runter gefahren, die Kette auf dem 36er Kranz gelegt, Tages-km-zaehlar auf -0- gestellt, schluck Wasser getrunken, tief Luft geholt,,, den rechten Pedal auf 2Uhr gestelt, den Daumen auf dem Daumengas und bin los.

    Die meiste Zeit mit dem Vorderrad in der Luft musste ich viele Brocken ausweichen, Als der Zaehler auf 900m war, stand ich vor einen Kawensmann......Aus, bin abgestiegen und irgendwie das beladene 33kilo Teil darueber gehievt.
    Um die Fuhre zu erleichtern dachte ich, den Last abzulegen und zusammen mit dem Rucksack unter einem Fels zu verstecken. Hatte aber Sorge, es nicht mehr wiederzufinden!
    Also schob ich / trug ich das ding noch weitere 500m ......Schluss es ging nicht mehr, die Steine wurden immer groesser und hoeher
    mein Puls stieg ueber 170. ich war pitsche patsche nass und japste nur noch.
    Es kamen einpaar norwegische Wanderer abwaerts, mir entgegen, schauten verwundert, und sagten...... „Wenn du das Rad abstellst, bist du in einer halben Stunde oben.
    Veraergert habe ich das rad abgestellt, ohne es abzuschliesse, wozu auch? Nahm nur den Rucksack und schaffte es in ¾ h bis zu der Markierung „Mulhacen“, den aller HOECHSTE PUNKT Sierra´s!
    Mulhacen.jpg

    Von dort aus konnte ich auch sein Grab sehen, wollte aber ohne mein Rad nicht dahin.
    Es war spaet geworden, um 17:30 kam wind auf und der Himmel zog sich zu, Ich allein, kein Mensch da und hatte noch einen weiten Weg vor mir.
    Ein Gams erschien am Horizont (zoome das Foto), als wenn er sagen wollte.. „Mann..... Was machst du eigentlich hier“ ?
    gams.jpg
    Mir wars, als ob ich einen Freund auf dem halben Weg zurueck gelassen hatte. Ohne Fahrrad machte mir Mulhacen und Fotographieren ueberhaupt keinen Spass. Also gstieg ich schnell runter zu mein abgestelltes Rad.
    Das Runtertragen war nicht weniger muehsam als rauf. Meine Fuesse und Beine waren vom Hochtragen so erschoepft, dass sie mir nicht mehr recht gehorchten. Runter aber brauchte ich eh einen festen Schritt.
    Ganz langsam, hoch konzentriert bin ich die 2km, neben dem Fahrrad, runter getorkelt, mich am Lenker gestuetzt und das Rad bremsen lassen.
    Auch die ersten 900m die ich rauf gefahren bin, konnte ich jetzt nicht mehr runterfahren, es fehlte mir einfach an Konzentration. Ein Sturz, kopfueber, haette fatale Folgen. So bin ich runter geschlendert bis zu dem Schild „Fuer Fahrraeder Verboten“.
    Nun Verstand ich den alten Mann von der Jugendherberge, der gesagt hat...Mulhacen ist nicht fahrbar.

    Es war spaet und nicht mehr richtig hell. Nun befand ich mich auf der beruehmten 20km Downhill-Piste nach Capileria.
    Fuer Verkehr gesperrt, Schoen breit, gut ausgebaut aber halt Schotter und 1000 Kurven Teils mit tiefen loechern,teils mit rausragenden Felsbrocken. Gemessen an Mulhacen aber, ein Gottessegen.

    Habe mich zusammengerafft, den Sattel voll runtergefahren und die Gabel hoch. Bin aufgestiegen und vorsichtig die Piste runter gefahren. Hier musste man sehr auf die Bremsdosierung achten.

    Oft hat, vor der Kurve bei 35km/h, die hintere Bremse nicht ausgereicht, obwohl ich nur noch mit dem Peniswurzel auf der Sattelkannte war. Die vordere musste sehr behutsam eingesetzt werden, damit das Vorderrad nicht ausbricht. ( ich hoerte spaeter, die „Jungs“ sausen da mit ueber 60 runter, hatten aber auch schon tote zu beklagen ).

    Uebrigens, die billigen noname China-Bremsbelaege, in mechanischen BB7, haben gut gehalten, kaum gequitscht, musssten an den Tag einmal aussen und einmal beidseitig nachgestellt werden. Die Scheiben sehen noch gut aus.

    Die Abfahrt hat weniger als eine Stunde gedauert. Bei Dunkelheit war ich schon unten in „Bubion“, in „Capileria“ war keine Bleibe frei.

    Als die Wirtin der „La Terasa“ mich in dem Zustand sah, sagte sie.....Wir haben zwar, wegen Ferien, geschlossen aber ich kann sie so unmoeglich weg schicken“.
    Gab mir fuer eine Nacht ein Bungalow, wo ich das Fahrrad zum laden mit reinnehmen durfte. Beide Batterien waren leer.
    Im Ort habe ich noch eine kleine Seezunge und ein Glass Weisswein bekommen und bin dann schlafen gegangen.

    Der Mulhacen-Tag, ich nenne es mal so, war schon knueppelhart. Es sollte aber noch dicker kommen!

    Morgen berichte ich weiter.
     
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  13. Georg

    Georg

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    Was machst Du denn für Sachen? Das macht doch keiner von den Jungs hier im Forum.
    Ich bewundere Dich! Das ist wirklich etwas.
    Ich habe nicht gewusst, dass man mit Viagra auch selbst noch überall hochkommt. ;)
    Aber übertreibe es nicht, Du kannst nicht sicher sein, dass die Spanier einen Gipfel nach Dir benennen oder gar ein Denkmal aufstellen.
    Ich wünsche Dir lieber, dass gesund und munter bleibst! Gruß Georg

    Übrigens, Du schreibst ganz tolle Berichte! Das könnte ein Abenteuerroman werden, a la Hemmingway.
    "Der alte Mann und das Meer"
     
    Zuletzt bearbeitet: 13.08.17
  14. luki1

    luki1

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    beneidenswert, in dem Alter so Topfit zu sein(y)

    @ Georg, das entlockt sogar dir noch eine Bewunderung:D
     
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  15. raptora

    raptora

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    Für die Sesselpfurzer Generation von heute die nur 4-eckige Augen vom Handy hat hört sich das an wie ne Heldensage von Odysseus :D

    Ich erzähl die Geschichte heute Abend mal meinen Jungs modern interpretiert:
    Es war einmal ein Edelmann im fernen Spanien der machte sich mit 75 Jahren auf, den Mulhacen zu bezwingen............

    Das Fahrrad lass ich weg sonst glauben die mir das eh nicht :ROFLMAO::ROFLMAO::ROFLMAO: :LOL:
     
  16. honda steffen

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    Bin begeistert........tiefen Respekt......du traust dich was :)
     
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  17. Cirrus

    Cirrus

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    Ganz toller Bericht. Dafür (y)(y)(y). Das darf ich gar nicht unserem 80jährigen Radelfreund Walter, dem kein Berg zu hoch, keine Abfahrt zu steil ist, erzählen. Der packt sonst gleich die Koffer und versucht es auch.

    Walter.jpg Freund Walter
     
  18. maspalomas

    maspalomas

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    Mountain Cycle San Andreas BBS02
    3.Etappe:
    Man sollte, wen man die Sierra ueberquert, auf der anderen Seite „Trevelez“ den hoechst gelegenen Stadt Spaniens, in Region „Alpujara“, unbedingt besuchen.

    Einer der besten Schinken Europas soll hier produziert werden.
    Fuer mich schon grund genug, um die 25km u. 900Hm hoch zu kurbeln.

    Auf dem Weg dorthin habe ich eine Bleibe gesucht, aber wo man das Rad haette mit reinnehmen konnte, keine gefunden.
    Man sagte mir, ich soll es in „Pitres“ (ein Dorf) in „Refugio Barbara“ versuchen.
    Dies war gut in Wald versteckt und wurde von eine 80 jaehrige deutsche, koerperlich behinderte, ehmalige Waldorfschullehrerin, die Barbara, gefuehrt.
    Barbara war in ihren jungen Jahren eine passionierte Wandersfrau und betreibt diese Herberge aus purer Leidenschaft.

    Eine hoch inteligente Person, belesen, die Welt bereist, spricht perfekt franzoesisch, englisch spanisch und natuerlich deutsch. Es war ein Vergnuegen, sich mit ihr und ihren "Hilfsgaertner" Michael( ein Aussteiger, ein Diplom Physiker aus Dresden ), zu unterhalten.

    Hier wurde mir wieder bewusst; der Mensch sollte konsumiert um zu leben aber nicht leben um zu konsumieren.
    Wie wenig der Mensch in Wirklichkeit zum Leben braucht konnte man hier am Leib erfahren.
    In Barbara´s Refugio fuehlte ich mich so wohl, dass ich 3 Naechte geblieben bin und wuerde jederzeit wieder hin.
    Der Michael, vielleicht 45, ist ein Tausendsassa, kuemmert sich um die behinderte Barbara und agiert u.A. als Wanderfuehrer und skilehrer.

    Er zeichnete mir die schoensten Offroad Trails der Region auf. Nannte mir, in Trevelez, ein gutes Restaurant, wo ich den original Trevelezer Schinken, nicht den touristischen, serviert bekam.

    Er fuhr selber ein altes Rad, und sagte immer.... „haette ich nur eine Federgabel“.
    Ich haette ihm ein Gabel geschenkt, sein Steuerlagerrohre aber, war laenger als der laengste auf dem Markt befindliche Gabelschaft!

    Von Barbaras „Refugio“ sagen einpaar Bilder mehr als 1000 Worte!.........Schaut es euch an.
    Es war alles sehr einfach, alt und verbraucht, aber BLITZSAUBER !

    Schon die Zufahrt war nur fuer fortgeschrittene Biker.
    1.die Zufahrt.jpg
    Das Tor war seit Jahrzehnten nicht mehr zu gewesen. 2.das Tor.jpg
    Es gab 3stoeckige Jugendbetten, 10€/Nacht, nur fuers Schlafsack. Jugend Betten.JPG
    Und nur einen einzigez "VIP-Zimmer", natuerlich fuer mich.

    3.mein Zimmer.JPG
    Schaut euch mein wunderschoenes Waschschuessel (aber mit fliessenem Wasser), in der Ecke an!

    4. mein Zimmer.JPG

    Ein Damen Pipi-Klo, mit Kannenspuelung. Natuerlich mit dem Vermerk "kein Papier u. keine Binden",...... klar.
    5.Damen Pipi toi..JPG
    Ein Herrn-Pipi-Klo + ein Plumpsklo.

    6. Herrn pipi u. Plumpsklo.JPG
    Und alternativ ein Sitzklo, direckt bebendran. Alles mit nur Vorhengen,
    runter bis zum Knie, oder halt, mit volle Sicht auf der freien Natur.
    Ich habe beides probiert, aber immer in kombination mit freie Sicht!
    7. Sitzklo.JPG
    In 5m entfernung, ein Waschbecken mit seife und Handtuch!
    8.zum haendewaschen am klo.JPG
    Und eine kleine Dusche mit warmes Wasser.
    9.die Dusche.JPG
    Werde von Barbaras Refugio weiterberichten.
     
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  19. E-Strampler

    E-Strampler

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    Dresden
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    MIFA
    Habe den bisherigen Bericht verschlungen. Packend zu lesen, hat mir hervorragend gefallen.
    Beide Daumen hoch!
     
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  20. Cirrus

    Cirrus

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    suuuper!
     
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