[Schweiz] - Haften E-Bike-Fahrer bei Unfällen mit Fussgängern?

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Gast93351

Luzerner Zeitung - 29. Juni 2022

Copyright Verletzung, Bild daher gelöscht, Text reicht vollkommen.


Hier der ganze Artikel als Text:

Haften E-Bike-Fahrer bei Unfällen mit Fussgängern?

Recht Kürzlich hat der Ratgeber sich zur Frage geäussert, ob Autofahrer haften, wenn eine telefonierende Velofahrerin vor dem Auto stürzt. Ich habe eine ähnliche Frage: Als Fussgänger wird man oft von (leisen) Elektrovelos überholt. Würde ich dabei angefahren und verletzt: Wäre es dann auch so, dass der Elektrovelofahrer das grössere Gefahrenpotenzial darstellt, und er somit in jedem Fall haften muss? Bei Unfällen mit E-Bikes sind Fussgänger und Lenker von «normalen» Velos haftpflichtrechtlich schlechter gestellt als bei Kollisionen mit einem Auto. Denn ein Autohalter haftet unabhängig davon, ob ihn ein Verschulden trifft, da er für die «Betriebsgefahr» einstehen muss, die sein Motorfahrzeug mit sich bringt. Dagegen sind Fussgänger und Velofahrer haftungsmässig aber gleichgestellt. Beide haften nur aus Verschulden, selbst ein E-Bike mit einer max. Geschwindigkeit von 45 km/h, welches den «übrigen» Motorfahrrädern gleichgestellt ist. Der Fahrer eines schnellen E-Bikes haftet also nicht schon aufgrund der blossen Tatsache, dass er ein Elektrofahrrad lenkt. Ein Verschulden aufgrund der Betriebsgefahr, also weil das Fahren eines Motorfahrzeuges bereits eine Gefahrenquelle darstellt, gibt es für E-Bikes also nicht. Selbst für E-Bikes, die bis zum Erreichen von 45 km/h vom Elektromotor unterstützt werden nicht, denn sie bleiben trotz des obligatorischen Versicherungskennzeichens Fahrräder und müssen daher Radstreifen und signalisierte Radwege benützen. Velofahrer und Fussgänger haften also nur entsprechend ihrem Verschulden, nämlich gestützt auf unser Obligationenrecht, während Motorfahrzeughalter auch ohne Verschuldensvoraussetzung bereits bis zu einem gewissen Mass für Schäden einstehen müssen. Das Gefahrenpotenzial eines E-Bikes ist aber deutlich höher einzustufen als das eines herkömmlichen Velos. Verwirklicht sich dieses höhere Gefährdungspotenzial, so muss der E-Biker sich dies anrechnen lassen. Erst recht ist es nicht zu unterschätzen, welche Masse aufeinen Fussgänger aufprallen kann, wenn es sich um ein vielleicht leicht abfallendes Trottoir mit Radstreifen handelt und ein 45er E-Bike-Fahrer mit angehängtem Veloanhänger von hinten auf Sie zuschiesst und dabei (erlaubterweise) drei Kinder transportiert, nämlich zwei im Veloanhänger und eines auf dem Kindersitz. Das Verursacht er einen Unfall, weil er in rasantem Tempo an Ihnen «vorbeischiessen» will, ohne sich rechtzeitig durch Klingeln anzukündigen, so dürfte dies nicht nur strafrechtlich, sondern auch zivilrechtlich (Haftpflicht) als schwer, wenn nicht grobfahrlässig einzustufen sein, weil er so sein hohes Gefährdungspotenzial verwirklicht hat und ihm dies bewusst sein muss.
 
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Gibt’s in der Schweiz auch Artikel, die Urheberrecht beleuchten?
 
perro

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Das Gefahrenpotenzial eines E-Bikes ist aber deutlich höher einzustufen als das eines herkömmlichen Velos.
das ist wohl der Trugschluß dieses komischen Anwalts. Gesetzlich ist doch nicht festgelegt, wie schnell ein FAHRRAD fahren darf (so ist eben auch ein 45er in CH eingestuft) oder wie schwer es sein darf - auch ein 140 kg Mann könnte und dürfte mit 60 bergab fahren und haftet aus Verschulden, nicht wegen seines Gewichts oder Tempos allein.
Ich finde es ausgesprochen dumm, wenn immer auf das so unheimlich hohe Gewicht eines Pedelecs oder auf diese wahnsinnige erreichbare Geschwindigkeit verwiesen wird. Weder 10 oder 15 kg Mehrgewicht gegenüber normalen Rädern (nicht Rennmaschinen!) noch die 25 kmh (oder auch 45) spielen eine Rolle!
Gefährlich sind Leute, die ihr Gerät nicht beherrschen! Das kann auch ein geschobener Kinderwagen sein....
 
Delphis1982

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Mal abgesehen vom nahezu unleserlichen Blocksatz Aufbau.
Was ist verkehrt daran, dass derjenige haftet, den auch eine SCHULD trifft?
Warum soll jemand anders für einen Unfall haften, obwohl ein anderer zu doof zum Scheißen ist?
Wenn ich bei Rot mit Knöppe im Ohr über die Straße latsche und ein Auto oder eBike gibt mir Flugstunden,
dann bin ausschließlich ICH an dem Unfall schuld.
Paragraph 1 StVO gilt nämlich auch für MICH.
Auch Unachtsamkeit ist ein Verschulden. Man kann es sich auch unnötig verkomplizieren.
 
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Emboliefree

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Aufn Rennrad bergab lag meine Spitze bei 85 km/h .....hat keinen interessiert und ich war auch leise unterwegs hat auch keinen interessiert...aber kaum haben diese komischen "Fahrräder" Motoren dran wird nur noch über die Gefährlichkeit gesülzt ...einfach lächerlich ......wo warn all die Deppen die aus 25 km/h ein Super Mega Hyper Tuber Risiko herbei sülzen früher????
 
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jup

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das ist wohl der Trugschluß dieses komischen Anwalts. Gesetzlich ist doch nicht festgelegt, wie schnell ein FAHRRAD fahren darf (so ist eben auch ein 45er in CH eingestuft) oder wie schwer es sein darf - auch ein 140 kg Mann könnte und dürfte mit 60 bergab fahren und haftet aus Verschulden, nicht wegen seines Gewichts oder Tempos allein.
Ich finde es ausgesprochen dumm, wenn immer auf das so unheimlich hohe Gewicht eines Pedelecs oder auf diese wahnsinnige erreichbare Geschwindigkeit verwiesen wird. Weder 10 oder 15 kg Mehrgewicht gegenüber normalen Rädern (nicht Rennmaschinen!) noch die 25 kmh (oder auch 45) spielen eine Rolle!
Gefährlich sind Leute, die ihr Gerät nicht beherrschen! Das kann auch ein geschobener Kinderwagen sein....

Das sind Einzelfallbetrachtungen, die aber für den Verkehr und Verkehrsregeln (oder Gesetze) insgesamt nicht entscheidend sind.

Natürlich sind Pedelecs im Schnitt schwerer als andere Räder und natürlich sitzen da nicht im Ausgleich irgendwie besonders leichte Leute drauf und natürlich fahren sie im Schnitt schneller. Der berühmte 140 kg schwere Rennradfahrer, der 40 km/h fährt, ist nunmal bestenfalls eine rare Ausnahme, nicht die Regel. Verkehrsregeln haben sich aber nicht nach Ausnahmen zu richten, sondern nach dem, was insgesamt millionenfach täglich in der Hauptsache der Fall ist.

Pedelecfahrer z.B. fahren nunmal häufiger auch dort 25 km/h, wo andere Radfahrer deutlich langsamer fahren (Steigungen, Gegenwind, häufig nötiges Beschleunigen) und die Räder wiegen halt 10 oder eher 15 kg mehr, während die Fahrer eher genauso viel wiegen.

105 kg Gesamtmasse (Fahrer plus Pedelec) bei 25 km/h hat im Vergleich zu 90 kg Gesamtmasse (Fahrer plus Fahrrad) bei 20 km/h schon knapp 80% mehr kinetische Energie, was bei Unfällen sehr wohl einen erheblichen Unterschied macht.

Das kannst du nicht einfach wegargumentieren mit Einzelfallbetrachtungen eines schweren Rennradfahrers gegen einen federleichten Pedelecschleicher.
 
Trekker

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fazua ride 50 evation
Ein normales Pedelec hat aus meiner Sicht nicht per se ein höheres Gefahrenpotential als ein konventionelles Fahrrad. Jedenfalls in Deutschland hat der Gesetzgeber dies auch durch die Gleichstellung von Fahrrad und normalem Pedelec zum Ausdruck gebracht. Es sind immer die Fahrer, gleich Rennrad, Hollandrad, Trekkingbike, Pedelec etc., die ihren Beitrag dazu liefern, dass sich ein abstraktes Gefahrenpotential realisiert.

Für Deutschland gilt (Zitat aus einer Entscheidung des OLG Celle vom 19.08.2019 – 14 U 141/19).

"Auf einem Sonderweg, der eine Mischung des Radverkehrs mit den Fußgängern auf einer gemeinsamen Verkehrsfläche bewirkt, haben Radfahrer auf Fußgänger Rücksicht zu nehmen. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass kombinierte Fuß- und Radwege, die eine Benutzungspflicht für Radfahrer zur Folge haben, nur dann angelegt werden sollen, wenn dies nach den Belangen der Fußgänger, insbesondere der älteren Verkehrsteilnehmer und der Kinder, im Hinblick auf die Verkehrssicherheit vertretbar erscheint (vgl. die Verwaltungsvorschrift zu den Zeichen 240 und 241 gemeinsamer bzw. getrennter Fuß- und Gehweg). Radfahrer haben demnach die Belange der Fußgänger auf solchen Wegen besonders zu berücksichtigen. Selbstverständlich haben auch Fußgänger auf Radfahrer Rücksicht zu nehmen und diesen die Möglichkeit zum Passieren zu geben; den Radfahrer treffen aber in erhöhtem Maße Sorgfaltspflichten. Insbesondere bei einer unklaren Verkehrslage muss gegebenenfalls per Blickkontakt eine Verständigung mit dem Fußgänger gesucht werden; soweit erforderlich, muss Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, damit ein sofortiges Anhalten möglich ist. Auf betagte oder unachtsame Fußgänger muss der Radfahrer besondere Rücksicht nehmen; mit Unaufmerksamkeiten oder Schreckreaktionen muss er rechnen.
Diese Maßstäbe gelten erst recht auf Gehwegen, die durch ein Zusatzschild für Radfahrer freigegeben sind. Das Zusatzschild „Radfahrer frei“ eröffnet dem Radverkehr nur ein Benutzungsrecht auf dem Gehweg. Den Belangen der Fußgänger kommt in diesem Fall ein besonderes Gewicht zu; insbesondere darf der Radverkehr nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren."
Anders sieht es aber aus, wenn der Fußgänger unaufmerksam einen Radweg überquert (OLG Hamm, 09.01.2018 – I-26 U 53/17.

Entgegen der Auffassung des Landgerichts kommt dem Umstand, dass sich der Unfall auf dem Radweg ereignet hat, sehr wohl eine gesteigerte Bedeutung zu. Auch die Radwege sind Bestandteile von öffentlichen Straßen, die für den durchschnittlichen Verkehrsteilnehmer erkennbar für den Radverkehr bestimmt sind und auf denen die Regeln der Vorfahrt gelten. Dementsprechend gelten auch die Sorgfaltspflichten beim Überschreiten von Fahrbahnen für das Überschreiten von Radwegen. Die Beachtung des Fahrverkehrs durch Fußgänger ist sowohl vor als auch während des Überquerens der Fahrbahn bzw. des Radweges in beide Richtungen gem. § 25 Abs. 3 StVO geboten. Fußgänger, die eine Fahrbahn oder einen Radweg nicht mit besonderer Vorsicht überqueren, trifft eine entsprechende Mitschuld. Dabei spricht der Anscheinsbeweis gegen den Fußgänger, der unter Verstoß gegen die Rücksichtnahmepflicht gegenüber dem Fahrverkehr die Fahrbahn betritt.
Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Rechtslage in der Schweiz sooo wesentlich von der hiesigen abweicht.
 
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Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Rechtslage in der Schweiz sooo wesentlich von der hiesigen abweicht.

In der Schweiz darf im Gegensatz zu Deutschland mit den schnellen 45 km/h Bikes auf jedem noch so schmalem Radweg gefahren werden, dazu noch mit Anhänger. Daher ist für mich das Gefahrenpotential nicht vergleichbar. Auch nicht mit Rennradfahrer, in der Regel beherrschen diejenigen die damit um die 30 km/h unterwegs sind das Gefährt durch häufige Nutzung besser und sind zudem jünger. Vielleicht könnte man dies durch Rücksicht und angepasste Fahrweise kompensieren, aber viele scheinen zwanghaft an jeder noch so unmöglichen Stelle Maximalgeschwindigkeit fahren zu müssen.
 
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fazua ride 50 evation
In der Schweiz darf im Gegensatz zu Deutschland mit den schnellen 45 km/h Bikes auf jedem noch so schmalem Radweg gefahren werden, dazu noch mit Anhänger. Daher ist für mich das Gefahrenpotential nicht vergleichbar. Auch nicht mit Rennradfahrer, in der Regel beherrschen diejenigen die damit um die 30 km/h unterwegs sind das Gefährt durch häufige Nutzung besser und sind zudem jünger. Vielleicht könnte man dies durch Rücksicht und angepasste Fahrweise kompensieren, aber viele scheinen zwanghaft an jeder noch so unmöglichen Stelle Maximalgeschwindigkeit fahren zu müssen.
Gut, das abstrakte Gefährdungspotiential, das von S-Peds ausgeht, ist aufgrund der im Vergleich zum Ped stärkeren Motorunterstützung und damit verbundenem Geschwindigkeitspotential sicherlich höher. Dennoch verdichtet sich das höhere abstrakte Gefahrenpotential erst durch das Verhalten des Fahrers zu einer konkreten Gefährdung bzw. zu einem Unfall. Der Faktor Mensch bleibt halt eine nicht ganz unbedeutetende Variable in der Gleichung (X = umsichtiger Fahrer; Y = rücksichtsloser Fahrer; Z = Irgendwas dazwischen in unzähligen Abstufungen). Leider leben wir nicht im Idealzustand X = 100%.
 
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Gut, das abstrakte Gefährdungspotiential, das von S-Peds ausgeht, ist aufgrund der im Vergleich zum Ped stärkeren Motorunterstützung und damit verbundenem Geschwindigkeitspotential sicherlich höher. Dennoch verdichtet sich das höhere abstrakte Gefahrenpotential erst durch das Verhalten des Fahrers zu einer konkreten Gefährdung bzw. zu einem Unfall. Der Faktor Mensch bleibt halt eine nicht ganz unbedeutetende Variable in der Gleichung (X = umsichtiger Fahrer; Y = rücksichtsloser Fahrer; Z = Irgendwas dazwischen in unzähligen Abstufungen). Leider leben wir nicht im Idealzustand X = 100%.

Klar, wenn nix passiert, hat ja auch keiner einen Schaden. Aber das ganz konkrete Schadenspotential (gemessen in Schwere der Verletzungen) ist bei den Geschwindigkeiten von S-Pedelecs ganz erheblich höher als bei langsameren Rädern, selbst bei gleichem Gewicht. Daran ändert der Faktor Mensch nichts, das ist reine Physik.

Und da sind Dinge wie der erheblich längere Bremsweg bei ansonsten gleichen Bedingungen (z.B. ein Kind springt dir in den Weg) noch gar nicht berücksichtigt. Bei einer Vollbremsung aus 25 km/h stehst du nach drei Metern, aus 45 km/h erst nach 12 Metern.

Das Schadenspotential ist einfach höher. Zu sagen "es passiert ja nur etwas, wenn etwas passiert" hilft da auch nicht weiter... Denn WENN etwas passiert, passiert mehr. Deshalb heißt das ja "Potential".
 
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Und da sind Dinge wie der erheblich längere Bremsweg bei ansonsten gleichen Bedingungen (z.B. ein Kind springt dir in den Weg) noch gar nicht berücksichtigt. Bei einer Vollbremsung aus 25 km/h stehst du nach drei Metern, aus 45 km/h erst nach 12 Metern.
Grundsätzlich hast du ja nicht Unrecht.

Nur beispielhaft: der längere Bremsweg führt zu einem höhere abstrakten Gefährdungspotential. Zu einer konkreten Gefährdungslage kommt es jedoch nur dann, wenn der Fahrer geschwindigkeitsmäßig nicht so auf Sicht fährt, das er bei plötzlichem Auftauchen eines Hindernisses innerhalb des längeren Bremsweges anhalten kann. Die konkrete Gefahr realisiert sich, weil er wegen des Verstoßes gegen das Sichtfahrgebot und Außerachtlassung des längeren Bremsweges mit dem Hinderniss kollidiert.

Der notwendige Zwischenschritt zwischen dem höherem abstrakten Gefährdungspotential und dem Unfall, ohne den ein Schadenereignis nicht einträte, ist immer das Fehlverhalten des Fahrers.
 
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Der notwendige Zwischenschritt zwischen dem höherem abstrakten Gefährdungspotential und dem Unfall, ohne den ein Schadenereignis nicht einträte, ist immer das Fehlverhalten des Fahrers.

Vollkommen korrekt, aber das ist aus der Sicht des Individuums. Wenn ein höheres Schadenspotential da ist und genauso viele Unfälle passieren, führt dieses abstrakte Potential durch höhere Geschwindigkeit und damit Energie des Fahrzeugs samt Fahrers ganz konkret zu mehr und schwereren Verletzungen. Das ist die Sicht, aus der Verkehr geregelt werden muss.

Wenn das anders wäre, könnte man ja auch Motorräder auf Gehwegen fahren lassen, denn das unbestreitbar höhere abstrakte Gefährdungspotential setzt ja immer erst ein Fehlverhalten des Fahrers voraus. Wenn nichts passiert, passiert auch nichts, aber wenn etwas passiert, passiert mehr. Und es passiert immer etwas, wenn auch nicht jedem.
 
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Wenn ein höheres Schadenspotential da ist
das ist doch Unsinn - höher im Vergleich wozu? Gewicht und Tempo sind nicht begrenzt, also ist es völlig müßig von "höher" zu reden. Dazu mußt du erst definieren, wie schwer und schnell etwas sein darf! Schließlich geht es um Haftung aufgrund eines in keinster Weise definierten Unterschieds im "Gefährdungspotential" bei Mißbrauch/Fehlverhalten. Hier genügt doch ganz klar die Haftung aus Verschulden! Du willst einen Pedelecfahrer automatisch zum Mitschuldigen machen, auch wenn der Fußgänger den Unfall allein verursacht hat???
 
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das ist doch Unsinn - höher im Vergleich wozu? Gewicht und Tempo sind nicht begrenzt, also ist es völlig müßig von "höher" zu reden. Dazu mußt du erst definieren, wie schwer und schnell etwas sein darf! Schließlich geht es um Haftung aufgrund eines in keinster Weise definierten Unterschieds im "Gefährdungspotential" bei Mißbrauch/Fehlverhalten. Hier genügt doch ganz klar die Haftung aus Verschulden! Du willst einen Pedelecfahrer automatisch zum Mitschuldigen machen, auch wenn der Fußgänger den Unfall allein verursacht hat???

Habe ich irgendwo gesagt, dass ich einen Pedelecfahrer automatisch zum Mitschuldigen machen will, auch wenn der Fußgänger den Unfall allein verursacht hat?

Mir ging es da nur um Unterscheidungen beim Schadenspotential im Fall von Unfällen oder schlichtem Fehlverhalten und dass man aufgrund dessen sehr wohl Regelungen staffeln muss, auch wenn sich da jeder im individuellen Einzelfall gar nicht betroffen fühlen mag. Und ich bin darauf nur eingegangen, weil hier Leute darauf insistiert haben, dass "Potential" ja heißt, dass gar nichts passiert ist. Das ist alles.
 
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SDuro Yam PW, Giant syncdrive Pro, Bulls Brose s
ok, aber "Potential" sagt doch überhaupt nichts aus, wenn es keinen Vergleichswert gibt. Genau deswegen ist ja auch ein Tempolimit zahlenmäßig festgelegt (zB 25 oder 50 oder 100 kmh) und nicht mit "ausreichend" oder "angemessen" definiert - da geht es dann um den Einzelfall....
Sonst wäre ja auch das Schadenspotential eines LKW oder Busses gegenüber einem PKW xfach höher und deswegen anders zu bewerten.
Die Frage war ja, ob eine Haftung allein aufgrund des Status als Pedelec gegeben sei oder sein sollte, also ein Pedelec grundsätzlich gefährlicher sei als ein Fahrrad ohne E. Ist es aber nicht! Ein Ped mit 20 kmh ist weniger gefährlich als ein Rennrad mit 70....
 
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Habe ich irgendwo gesagt, dass ich einen Pedelecfahrer automatisch zum Mitschuldigen machen will, auch wenn der Fußgänger den Unfall allein verursacht hat?

Mir ging es da nur um Unterscheidungen beim Schadenspotential im Fall von Unfällen oder schlichtem Fehlverhalten und dass man aufgrund dessen sehr wohl Regelungen staffeln muss, auch wenn sich da jeder im individuellen Einzelfall gar nicht betroffen fühlen mag. Und ich bin darauf nur eingegangen, weil hier Leute darauf insistiert haben, dass "Potential" ja heißt, dass gar nichts passiert ist. Das ist alles.
Aber genau das ist das Problem.
In dem Moment, wo man sagt, das Ped hat schon einfach nur, weil es ein Ped ist, ein größeres Gefährdungspotenzial,
in genau dem Moment tritt die Betriebsgefahr in Kraft und man IST mitschuldig, selbst, wenn der Fußgänger jeglichen Selbsterhaltungstrieb ad Acta legt.
Deswegen sind solche Studien, Vergleiche, Berechnungen usw... völlig daneben.
Ich finde sogar die Betriebsgefahr beim KFZ ganz schön daneben, wenn man sich mal anschaut, wie diese ganzen Träumer taub und blind über Fahrbahnen latschen,
ohne sich auch nur den geringsten Gedanken zu machen, dass man sich im öffentlichen Straßenverkehr befindet.
Es sollte derjenige haftbar gemacht werden, der TATSÄCHLICH Schuld hat.

Mit meinem alten MTB ohne Motor war ich bei Tempo 40 wesentlich gefährlicher, als jetzt mit 25er Ped und sporadischen 30 Sachen.
Die 4-5Kg Unterschied ob mit oder ohne Motor machen den Kohl definitiv nicht fett.
Da gibt es wesentlich größere Diskrepanzen beim Gewicht des Fahrers an sich.
Wollen wir jetzt bei jedem Unfall alle Beteiligten auf die Waage stellen und the biggest Loser spielen?
 
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Ich finde sogar die Betriebsgefahr beim KFZ ganz schön daneben, wenn man sich mal anschaut, wie diese ganzen Träumer taub und blind über Fahrbahnen latschen,
ohne sich auch nur den geringsten Gedanken zu machen, dass man sich im öffentlichen Straßenverkehr befindet.
Denke auch bitte an diejenigen, die nicht als Träumer, Taubstumme und dergleichen, sondern ohne eigenes Verschulden in Unfälle verwickelt werden.

Ob es eine Gefährdungshaftung für Kfz auch in der Schweiz gibt, weiß ich nicht sicher. In Deutschland jedenfalls ist die Gefährdungshaftung aus der Betriebsgefahr bei Kfz eine enorme Erleichterung für die Geschädigten, Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Denn das Verschulden des Schädigers muss nicht bewiesen werden, sondern nur, dass sich der Unfall beim Betrieb eines Kfz ereignete. Ein Verschulden zu beweisen erweist sich in vielen Fällen als sehr schwierig, weil der Unfallhergang streitig ist und keine Beweismittel wie z.B. zuverlässige Zeugen zur Verfügung stehen oder zugunsten des Geschädigten die von der Rechtsprechung entwickelten Beweiserleichterungen wie z.B. beim Dooring eingreifen.
 
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Im Zeitalter von Dashcams ist dieser Gedankengang allerdings komplett obsolet, denn ein Video sagt mehr als 1000 Zeugen und ist i.d.R. zuverlässiger.
Für Einzelfälle gibt es Gerichte, aber bei einem Unfallopfer, dass keinerlei Gebrechen hat, aber jegliche Vorsicht vermissen lässt, wäre so manches Gerichtsverfahren überflüssig.
Wer auf den Darwin Award hinarbeitet, soll ihn gefälligst bekommen.
Bei gebrechlichen, blinden und tauben sieht die Sache anders aus, da darf dann gerne auf Betriebsgefahr abgestellt werden.
Sorgt dann immerhin für wesentlich weniger "Kollateralschäden" als es der jetzige Zustand tut.
Abgesehen davon, dass man sehr gut sehen kann, dass sich blinde und taube Menschen ganz anders im Verkehr bewegen.
Diese Menschen WISSEN um ihre sensorischen Defizite und handeln entsprechend, da es ums Überleben geht.
Die, die dazu nicht in der Lage sind, zu erkennen, dass sie eine Gefahr für sich selber und für andere darstellen, sollten eigentlich eine Begleitperson haben.
Man kann nicht die Defizite von alleine nicht lebensfähigen Personen einem Auto- oder Radfahrer anlasten, der dafür nichts kann.
Ich bin so gut wie pleite oder halb im Knast, sobald mir ein Radfahrer oder Fußgänger ohne zu schauen vor die Flinte spawnt.
Bei denen, die ohne eigenes Verschulden in einen Unfall verwickelt werden, ist der Fall doch sonnenklar. Die Versicherung des Verursachers zahlt, Punkt. Wozu braucht es die Gefährdungshaftung?
 
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