Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Diskutiere Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland im Umbau-Pedelecs Forum im Bereich Diskussionen; Hallo allerseits, seit geraumer Zeit bereits bin ich Mitleser im Velomobilforum und hier und habe mich nun soeben endlich mal hier angemeldet :)...
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Kundu

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Hallo allerseits,

seit geraumer Zeit bereits bin ich Mitleser im Velomobilforum und hier und habe mich nun soeben endlich mal hier angemeldet :)
Hintergrund dessen ist, das wir, ein Freund und ich, im Moment für einige Zeit in Kunming in Südchina leben und vorhaben ab März 2013 mit einem noch komplett zu planenden und kreierenden Zweisitzerbambusvelomobil zurück nach Deutschland, konkreter Berlin zu fahren :)
Die wahrscheinlich unter 12 000km lange Strecke über Urumqi (Nordwestchina), Kasachstan, Südrussland, Ukraine, Polen und Deutschland hoffen wir in maximal einem halben Jahr gut bewältigen zu können.

Ich hoffe ihr habt nichts dagegen einzuwenden, wenn ich an dieser Stelle mal zunächst ein paar grundsätzliche Überlegungen zur Bordelektronik schildere.

Wir haben unter keinen Umständen vor, auf externe Energiequellen (im Sinne von Steckdose ;) zurückgreifen, wollen dennoch 1-2 Elektromotoren verbauen.
Ein einzelner Nabendynamo würde uns ohnehin nicht genügend Energie für Beleuchtung, Musik, Handy, Ebookreader, Hupe, Netbook,.. liefern, weshalb wir davon entweder mehrere oder aber eben gleich einen richtigen Nabenmotor verbauen müssten.
Desweiteren haben wir auf den ersten circa 4000km durch China sehr viele und hohe Berge zu bewältigen, sodass Talfahrten von mehr als 10km Länge an der Tagesordnung sein dürften. Ein weiterer Grund auf Elektronabenmotoren zu setzen, um die potentielle Energie von hoffentlich unter 250kg Systemgewicht durch Rekuperation nutzen zu können.

Wir tendieren zu 4 Rädern um eine bessere Raumaufteilung zu haben, in erster Linie aber, um zumindest einen Teil der kasachischen Schlaglöcher überfahren zu können.
Zunächst dachte ich an eine Einzelradaufhängung vorne und eine durchgehende angetriebene Achse hinten, bis mir dann auffiel, dass wir ja über einen über eine weitere Kette mit der Achse verbundenen Motor keine Rekuperation hätten, da dafür die Achse steif mit den Rädern verbunden sein müsste, wodurch diese in Kurven radieren würden.
Daher scheint mir nur die Möglichkeit übrig zu bleiben, zwei Nabenmotoren zu verbauen, wahrscheinlich vorne, da wir somit einen Allradantrieb hätten. Ausreichende Masse vorne ließe sich bestimmt mit einplanen, durch Gepäck und Akkus.
Damit komme ich dann auch endlich zur ersten Frage: Wie verhalten sich 2 kleinere Nabenmotoren im Vergleich zu einem großen in Hinlick auf Masse (gut, das ist einfach), Wirkungsgrad und Rollwiderstand und lassen diese sich auch über einen einzelnen Controller ansteuern?

Desweiteren haben wir vor, auf der Oberseite des Velomobils 2-3m² Solarzellen unterzubringen, so dass wir dann bei guter Sonneneinstrahlung auch auf der Ebene von den Motoren profitieren würden.
Bei voller Sonneneinstrahlung wären dies wahrscheinlich max 200W. Eine zeitweise Tretunterstützung äquivalent zu einer weiteren tretenden Person scheint mir also realistisch. Laut Verkäuferangabe liefer die Zellen (Folien) bis zu ca. 100W pro m².

Da wir nun bereits hier in China leben ist die Verlockung auf billige chinesische Komponenten zu setzten natürlich umso größer, wenn nicht gar alternativlos, da ein Import aus Deutschland nicht nur teuer sondern auch schwer und zeitaufwendig ist.
Hier in der Stadt gibt es weit mehr Elektroroller als Fahrräder auf den Straßen, alle mit Nabenmotoren.
Was ich hier im Forum über die China Controller gelesen habe klingt ja nun leider alles andere als positiv, insbesondere wenn es um das Thema Rekuperation geht, dessen Wirkungsgrad für uns von essentieller Bedeutung ist.

Wahrscheinlich ist, dass wir die nötigen Komponenten nach Möglichkeit auf http://www.taobao.com/ kaufen, dem chinesischen Pendant zu einer Mischung aus ebay und amazon.

Ich denke mal, es ist am Besten auf LiFePo4 Akkus zu setzten, da diese ja wohl mit bis zu 4C auch über längere Zeit zu laden möglich sind und wir wohl beim Rekuperieren bergab mit sehr hohen Strömen rechen können/müssen.
Über einfache Velomobile mit 120kg Systemgewicht heißt es hier im Forum ja bereits, dass 1,5 oder gar 2kW rekuperiert werden. Würden wir also z.B. zwei 1500W Motoren verbauen und mit 3kW rekuperieren wären dies ja bei beispielsweise 60V bereits 50A.
Das wiederum hieße, wir bräuchten mindestens einen 60V 12,5Ah Akku. Bei 750Wh und < 1kg/100Wh wären alleine das also bereits ca. 10kg.

Daher nun endlich meine zweite Frage: Kennt sich hier jemand mit der Menge der in China erhältlichen Bauteile aus, die ja den Markt der aus China nach Deutschland importieren wohl deutlich übertreffen? Neben Motoren und Akkus einschließlich BMS zielt diese Frage insbesondere auf Controller ab, wo ich die größte Schwierigkeit sehe:
Wir brauchen einen sehr Leistungsfähigen Controller für wahrscheinlich zwei (1,5kW?) Motoren, der Rekuperation auch unterhalb der Nenndrehzahl mit einem möglichst hohen Wirkungsgrad, auf der Ebene mal auch nur für vlt 5W oder so, unterstützt und gleichzeitig auch noch den Ladestrom der Solarzellen verarbeiten kann. Desweiteren brauchen wir verschiedene DC Outputs für die Bordelektronik, hier reichen meine Kenntnisse auch noch nicht aus, ob es sich empfielt den Akku dafür getrennt über einen DC-DC Wandler zu entladen oder ob dies besser alles über den Controller gehen sollte.

Tja, zu guter Letzt, was den Spaß natürlich nicht gerade einfacher macht, muss das Ganze auf Zuverlässigkeit aus sein, da wir nach ein paar natürlich auch mehrtägigen Testfahrten, nicht unbedingt wieder die Möglichkeit bekommen, die Elektronik zu reparieren bzw. auszutauschen.

Entschuldigt bitte den langen Beitrag, ich hoffe für die Einleitung und Vorstellung habt ihr das eine Mal nachsehen.. :$

Liebe Grüße,
Kundu

P.S.:
Hier für die Interessierten noch ein paar Links zu evtl. zu verbauenden Motoren und Solarzellen:
Die Solarzellen:
http://item.taobao.com/item.htm?id=14703377463
Ein 1000W Motor, ich habe leider noch keinen mit 1,5kW gefunden, der sich auch in normale Fahrradräder einspeichen lässt:
http://item.taobao.com/item.htm?id=15622735780
 
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labella-baron

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AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Klingt verlockend.

Allein ich fürchte die ganze Elektrik wird euch eher behindern als nützen. Ein wesentlicher Energiebeitag käme ja aus der Reku. Wie werden denn die Straßenverhältnisse sein. Wenn ihr es nicht öfter mal mit größer 30km/h laufen lassen könnt, dann wird der Reku-Wirkungsgrad schlecht - es sei denn der Antrieb ist ausschließlich für geringe Geschwindigkeiten bis 20km/h ausgelegt.
Edit: Sehe gerade beim nochmaligen nachlesen, dass euch die Problematik der Reku bei langsamen Geschwindigkeiten schon bewusst ist.

Wird das Fahrzeug Federung haben? Ich Frage wegen der mechanischen Belastung der PV-Module, wenn ein einzelner spröder Silizium-Wafer einen Riss bekommt, dann wars das wohl.
 
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Kundu

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Kette an Scheibenbremsenaufnahme, LiFePo4 48V
AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Hallo labella-baron,

danke für deine Antwort :)

Die Straßen in China sind überwiegend erstaunlich gut, mit dem ganz gewöhnlichen Mountainbike fahre ich auf den geraden Strecken in der Regel mit 35-50km/h runter, mit bremsen versteht sich. In den Kurven Bremse ich dann eben auf 30 oder gar noch weniger ab.

Achso, wir planen 26" Räder zu verbauen, um auch bei schlechteren Straßen einen ausreichenden Abstand zum Boden zu haben.

Das ganze Fahrzeug soll vollgefedert sein.
Mittlerweile habe ich hier gelesen, dass wir wohl für zwei Motoren auch zwei Controller bräuchten. Würden wir also drei Stück mitnehmen hätten wir noch einen zum austauschen. Einen zusätzlichen Motor wollen wir aberbestimmt nicht auch noch mitnehmen.

BionX zu importieren kommt aufgrund des Preises leider gar nicht in Frage: bei 2x500W wären wir ja fast bei 400€ zumal die Leistung ja wohl auch zu gering wäre für die Rekuperation und ich LiFePo4 Akkus als deutlich geeigneter ansehe.
Wieviel Leistung meint ihr brauchen wir? Anscheinend bringen die Motoren ja auch für längere Zeit ohne Schäden eine deutlich höhere Bremsleistung als ihre Nennleistung auf!?

LG,
Kundu
 
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cephalotus

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AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Ich denke, dass Du das Reku Potential ganz massiv überschätzt. Ich würde den Fahrzeugantrieb nicht primär nach seiner Reku-Fahigkeit auslegen. Erster Schritt sollte sein, Motoren zu finden, die ihr überhaupt befestigen könnt.
 
didi28

didi28

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AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

4 Räder, 250kg Systemgewicht, 2 Nabenmotoren, auf die Solar- und Rekuperationsenergie sollte man sich da jedenfalls nicht verlassen. Ihr Beiden seit hoffentlich topfit. Wüsste jetzt auch nicht, welche China-Controller mit Rekufunktion dafür geeignet sein sollen. Im Zweifel zerstört man bei der ersten langen Abfahrt das komplette elektrische System und die Solarzellen sind aufgrund der ständigen Erschütterungen auch schnell mechanisch hin.

Die Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls sehr hoch, dass die ganze mitgeschleppte Elektrotechnik zum Ballast anstatt Boost wird und auch rechtliche Probleme bereitet. Bei so einer Mega-Tour durch so viele Länder sollte man als tretender Privatmensch mit begrenzten Mitteln eher auf möglichst einfach und leicht setzen, also keine Elektrotechnik.
 
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labella-baron

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Crystalyte 209, LiFePo 36V 4,6Ah von A123
AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Benötigt ihr denn nicht auch Motore mit einseitiger Aufhängung? Da fällt mir eigentlich nur Crystalyte ein. Möglich, dass es in China noch etliche weitere Hersteller dafür gibt, dass dies aber noch nicht bis hier durchgedrungen ist. Aber Crystalyte fertigt ja auch in China. Hier sind etliche Bilder davon zu sehen.
 
Moriarty

Moriarty

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Bosch, BionX PL 250 HT
AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Hi,

tolles Vorhaben.

Mein Bauchgefühl sagt mir, daß all die Technik in Komplexität und Gewicht mehr Probleme macht als Nutzen bringt.
Reku bringt nur das zurück (teilweise) was sonst weggebremst wird. Im Gebirge sind das theoretisch 50% (praktisch eher 30%), im allgemeinen Langstreckendurchschnitt eher 10% und weniger, in der weiten Ebene genau 0%. Wird daher gerne überbewertet. Lieber einen größeren Akku, der hilft auch bei der topfebenen Langstrecke weiter, im Gegensatz zu Reku.
Reku-fähige Motoren, also Direktläufer a la Nine Continent oder BionX haben so ihre eigenen Nachteile speziell am Berg, können leicht ineffizient betrieben werden, so daß dies den Rekuvorteil auch noch wegfrißt.

Es wurden schon diverse Fahrten mit Velomobilen und Solarmobilen durchgeführt zB Wind-Explorer oder diese Typen mit dem Solaranhänger am Pedelec in der Wüste. Alles war grenzwertig, gesponsort, teuer und von langer Hand mit Expeditionscharakter geplant. Alle haben jeweils mehrere Nabenmotoren dabei "verbraucht".Die Wind-Explorer Leute haben unterwegs auch an Steckdosen nachgeladen.

Mal ganz frevelhaft und forums-unpassend gefragt: Wäre ein einfacher kleiner Zweitakt-Motor nicht das Richtige ? Sowas kann vielleicht auch der Mongolei repariert werden, kost' nicht viel, und an der Grenze zu "zivilisierten" (manche sage überregulierten) Ländern wirft man den dann einfach ab?

Gruß
Moriarty
 
L

labella-baron

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Crystalyte 209, LiFePo 36V 4,6Ah von A123
AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Wieviel Leistung meint ihr brauchen wir? Anscheinend bringen die Motoren ja auch für längere Zeit ohne Schäden eine deutlich höhere Bremsleistung als ihre Nennleistung auf!?
Das würde ich so nicht unterschreiben. Es ist aber wohl so, dass die Abfahrt nicht so lange dauert wie die Auffahrt ;) und besser gekühlt wird. Deshalb überhitzt der Motor bergab vielleicht nicht so schnell.
Generell muss man nicht die Leistung (die ist vom Controller und z.B. auch von der Akku-Spannung abhängig), sondern die Verlustleistung in der Wicklung betrachten. Bei einem kleinen Getriebemotor würde ich sagen, dass man mit 100W Stromwärmeverluste noch auf der sicheren Seite liegt - kurzzeitig gehen vielleicht auch bis zu 200W. Bei euren robusteren Direktmotoren (wegen Reku) sage ich mal gehen vielleicht 200W auf Dauer.

Wenn ihr mit 250 Kilo einen 10%er mit 10km/h hinaufwollt, sind dazu ca. 750W notwendig. Wenn jeder von euch 100W besteuert, bleiben pro Motor 275W. Das geht also mit einem Wirkungsgrad von 58% (275/(200+275) auf Grund der langsamen Geschwindigkeit noch. Bergab habt ihr dann z.B. bei 30km/h einen Wirkungsgrad von 75% und bei 200W Verluste eine Bremsleistung von 1200W mit beiden Motoren zur Verfügung - was bei 250 Kilo auch gar nicht so viel ist!
 
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Pedaltotal

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AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Also die Meinung des Forums scheint zu sein: keep it small and simple

Möglicherweise wären zwei E Mountainbikes mit ein bis zwei Anjängern das Richtige. Im Anhänger könnten Ersatzakkus Platz finden. Möglicherweise noch eine Erfindung um das Rad abends noch aufzubocken und als Generator zu nutzen und so die Akkus zu laden

Ich persönlich finde die Idee mit dem Bambusmobil ja klasse. Aber mit einem noch nicht ausgereiften und in letzter Sekunde fertiggestelltem Prototyp durch teilweise nicht ganz sichere Gebiete? Wo überladene, wacklige LKWs auf einen zuschiessen?

Es gibt Gegenden in diesem Gebiet wo sich noch nichtmal LKW Fahrer in Ihren Kabinen zu schlafen trauen, und ihr wollt da durch mit einer Art selbstfahrendem Bambus-Weihnachtsbaum behängt mit den Verlockungen der westlichen Wohlstandsgesellschaft?

Ich weiss ich drück das krass aus, aber habt Ihr die Route so gut abgeklärt dass Euch auch Kenner der Lokalitäten versichern dass Ihr lebend ankommt?

Nichts für ungut und liebe Grüsse nach China
 
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Fire

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AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Hast du "Konzeptzeichnungen" oder was ähnliches von deinem Bambusmobil? Das Ding würde mich doch sehr interessieren.

Wär sicher cool sowas zusammen zu kriegen, ich fürchte aber wenn das gehen würde, dann würde man sowas öfters auf der Strasse sehen, zumindest in Asien.
Da es auch einige Bambus-Fahrräder gibt, ist es sicher möglich aber vermutlich nicht so ganz einfach
 
Eheli

Eheli

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Haibike
AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

vorhaben ab März 2013
Puh, das wird aber knapp, mit all den nötigen Forschungsarbeiten, Prototypen, Testfahrten und so. Ich könnte das nötige Gefährt ja nicht entwickeln, aber wenigstens habe ich das Wort Brushless-Motor (2 Motoren, 2 Controller :) ) schon einmal gehört. :)

Wird aber eine tolle Sache, euer Projekt. Wünsche toi toi toi - und haltet uns bitte am Laufenden!
 
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Kundu

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Kette an Scheibenbremsenaufnahme, LiFePo4 48V
AW: Mit dem Bambusmobil von China nach Deutschland

Wow, danke für die vielen Antworten :)

Vorab ganz kurz: Ich meinte für die BionX Systeme natürlich 4000€ anstatt 400€, kann ich aber nicht mehr editieren.

Das die Solarzellen bzw. Solarfolien durch die Erschütterung kaputt gehen, habe ich noch nie gehört. Vermutest du das nur, Didi28, oder weißt du das?

Klingt plausibel und wäre bestimmt auch relativ einfach (und laut) mit dem 2-Takt Motor, wir wollen aber wirklich keine externe Energiezufur außer Sonne und Rückenwind in Anspruch nehmen. Daher bringen auch die größeren Akkus als Alternative zur Rekupertion nichts.

Da wir ja wahrscheinlich auf 4 Räder setzen brauchen wir zumindest partiell eine Einzelradaufhängung mit Federung, damit nicht immer ein Rad in der Luft schwebt. Daher werden wir wahrscheinlich vorne zwei Federgabeln verwenden, die wir für die Lenkung miteinander verbinden. Würden wir die Motoren dann also vorne unterbringen, bräuchten wir keine einseitigen Aufhängungen :)

Nun klar, in der Ebene bringt uns Rekuperation gar nichts, wie gesagt haben wir aber die ersten vlt 4500km sehr viele Berge mit langen Abfahrten auf hoffentlich guten Straßen.
Im Wiki hat ja torcman anhand des BionX sehr schön seine Messungen zur Rekuperation dokumentiert und schreibt bei nur ca. 25km/h Durchschnittsgeschndigkeit hat er bereits einen Rekuperationswirkungsgrad von 37%, obwohl er noch mechanisch gebremst hat und mutmaßt, dass dieser speziell bei einem aerodynamischeren Fahrzeug bei höherer Geschwindigkeit, die wir zweifelslos oft erreichen werden, wahrscheinlich noch höher wäre.
Soweit ich weiß hat er allerdings nicht die Verlustleistung des Akkus selbst mit einberechnet. Wie hoch diese noch einmal ist, weiß ich nicht. Hat da wer Zahlen parat?

Bei einem Abhang von 500 Höhenmetern könnten wir also bei einer Gesamtmasse von 250kg und einem Wirkungsgrad von scheinbar gut realistischen 30% in etwa 100Wattstunden im Akku speichern:

E = 0,3 * m*g*h
E = 0,3 * 250kg*9,81(m/s²) (ok, in Mitteleuropa ;)* 500m
E = 367875 Joule
E ~ 102Wattstunden
Die von Labella-Baron berechnete recht krasse Motorunterstützung von 750W hätten wir also nur für 8 Minuten.
Bei 10km/h würden wir in 8 Minuten also gerade einmal 1,3km fahren. Bei 10% Steigung wären dies also nur/immerhin 130 Höhenmeter.
Wir könnten aber natürlich auch langsamer Fahren, wodurch unsere selbst direkt aufgebrachte Tretenergie anteilig steigen würde. Desweiteren hoffe ich natürlich durchaus, die 30% Wikungsgrad zu toppen.
Dass wir vor Start der eig. Tour bereits etliche Messungen durchführen, um herauszufinden bei welcher Fahrweise der Wirkungsgrad am höhesten wäre, ist ja klar.

In der Ebene würden wir die Motoren dann gerne als normale Nabendynamos verwenden und vlt auch mal unter 10W dauerhaft Rekuperieren wollen. Habt ihr da Erfahrungen mit dem Wirkungsgrad, auch im Vergleich zu Nabendynamos?
Wie sieht es mit dem Rollwiderstand von 2 leistungsfähigen und schweren Nabenmotoren ohne Freilauf im Leerlauf aus?

Was die Kosten betrifft, hier in China kämen wir natürlich mit 1000€ sehr weit, die wäre ich auch sofort bereit zusätzlich zu investieren. Sorge machen mir aber Beiträge von euch wie "Alle haben jeweils mehrere Nabenmotoren dabei 'verbraucht'".
Ich hätte gedacht/gehofft, wenn die Motoren ausreichend dimensioniert sind, nicht wie hier im Forum oft von den kleinen 250W Dingern beschrieben, dass diese dann auch haltbar sind. Schließlich sind Elektromotoren ja nun wirklich keine neue Erfindung mehr.
Zu den rechtlichen Problemen: Nun, ich finde Moriarty ganz amüsant und zutreffend. Die paar hundert Kilometer durch Polen und Deutschland kommen mir verglichen mit der Gesamtstrecke doch recht gering vor.

Bergab habt ihr dann z.B. bei 30km/h einen Wirkungsgrad von 75% und bei 200W Verluste eine Bremsleistung von 1200W mit beiden Motoren zur Verfügung - was bei 250 Kilo auch gar nicht so viel ist!
Das mit der Bremsleistung von 1200W verstehe ich nicht. Die verheizte Energie muss doch zur Bremsleistung (also das was wir dann nicht mechanisch bremsen) dazugerechnet werden, oder nicht? Von was für Motoren gehst du jetzt aus?
Ich dachte bei 2 x 1,5kW Motoren haben wir ganz simpel 3kW Bremsleistung + evtl. sogar mehr durch Überlast, die ich so allerdings keinesfalls mit einkalkulieren würde. Wieviel davon dann im Akku landet ist natürlich die spannende Frage. Außerdem stellt sich wie gesagt die Frage, ob 3kW Bremsleistung bis auf wenige Ausnahmen ausreichend sind.

Jetzt habe ich also wieder soviel geschrieben, ich scheine da wohl einen Hang zu zu haben :/

LG,
Kundu
 
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Ich frage mich, ob ein sehr leichter Motor Freilauf nicht deutlich mehr Energie einspart als ein Monster mit Reku. Und bei Nabenmotoren frage ich mich generell, ob die das Bambusmonster auf dieser Strecke mechanisch aushalten, bzw. ob generell die Dichtigkeit genügt. Einen Motor, der eine Kette antreibt, könnte man wenigstens recht gut verpacken. Und er würde das Gewicht und die Stöße nicht so abbekommen.
 
M

Michael.HH

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Es gibt Gegenden in diesem Gebiet wo sich noch nichtmal LKW Fahrer in Ihren Kabinen zu schlafen trauen, und ihr wollt da durch mit einer Art selbstfahrendem Bambus-Weihnachtsbaum behängt mit den Verlockungen der westlichen Wohlstandsgesellschaft?

Ich weiss ich drück das krass aus, aber habt Ihr die Route so gut abgeklärt dass Euch auch Kenner der Lokalitäten versichern dass Ihr lebend ankommt?
Am gefährlichsten ists immer noch in Polen.:D
 
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Kundu

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Die letzten drei Beiträge hatte ich noch gar nicht gelesen, als ich mit dem Schreiben der letzten Antwort begann.

Die Beschreibung mit dem Bambus-Weinachtsbaum finde ich sehr schön poetisch, schade nur dass wohl leider wirklich was dran ist :( Dennoch würde ich keineswegs sagen, dass ein LKW sicherer ist als ein kleines, unscheinbares Velomobil mitten auf dem Lande, wo außer ein paar Bauern und nervenden Hunden niemand unterwegs ist. Zumal wir ja nicht die ersten sind, die da lang fahren werden. Eine genaue Reiseroute haben wir allerdings noch nicht. Klar ist nur, dass wir uns anhand der Stellen orientieren müssen, wo wir die Visa für Kasachstan und Russland beantragen können und an den maximalen Aufenthaltsdauern (Russland wahrscheinlich nur 30 Tage). Außerdem werden wir bis dahin glücklicherweise auch zunehmend von persönlichen Erfahrungen profitieren können :)

Konzeptzeichnungen haben wir noch wenige (digital, es wäre aber nicht das erste Bambusvelomobil. Meine Theorie, wieso sich Bambus in der Masse nicht durchgesetzt hat ist, dass es maschinell nicht so effektiv zu verarbeiten ist wie Alu und Stahl. Vlt auch wegen des Images. All dies könnte sich natürlich noch ändern. Für uns ist Bambus wahrscheinlich noch leichter zu verarbeiten als Stahl, da wir nicht schweißen können.

Zur Zeit ist zu sagen, dass wir zwar nur 9 Monate haben und da eine ausführliche Testphase bereits enthalten sein muss, wir hier aber auch keine Fulltime-Jobs haben sondern in erster Linie chinesisch lernen und uns eben zunehmend auf die Planungen und deren Umsetzung konzentrieren werden.

Kundu
 
Georg

Georg

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Macht so weiter, ist ein tolles Abenteuer, das Ihr nie vergesst!
 
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Der Solarzellenlink zeigt bei mir nur eine ansonsten komplett leere Seite mit sinnlosen Zeichen. Was habt ihr denn da so gedacht? Welche Dachfläche, welche Leistung in den durch euch befahrenen Breitengraden bei Sonnenschein am Morgen, Mittag, Abend kurz vor Sonnenuntergang, welche Leistung bei durchschnittlich bedecktem Himmel? Mit wie vielen Sonnenstunden täglich rechnet ihr so? Es soll ja immerhin eure Hauptenergiequelle werden. Die Rekuperation kann man wohl weitgehend vergessen. Auf der Ebene holt man da fast nichts heraus, weil man fast nicht bremsen muss - und wenn man unerwartet bremsen muss, sodass man nicht ausrollen lassen kann, dann muss man gleich richtig bremsen, also mit normalen Bremsen und wenn man 2 Höhenkilometer den Berg herunter fährt, ist selbst ein entladener Akku auch irgendwann voll und man kann die Energie nicht mehr nutzen.

Edit: Die von l. berechnete Motorunterstützung geht wohl von 750 Watt verlustlos, also beim Hochfahren mindestens 750 W mechanisch auf die Straße aus (Luftwiderstand und reibung außen vor)! Bei 10 km/h hat so ein Antrieb mit Nabenmotor aber einen Wirkungsgrad von Weit unter 70%.
 
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Michael.HH

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Macht so weiter, ist ein tolles Abenteuer, das Ihr nie vergesst!
Yep...

Kurzinfo Kasachstan :

Wölfe: ja
Schneeleoparden : ja
Tiger : nein (ausgestorben)
Skorpione : ja
Wildschweine : ja
Geier : ja (falls es schiefgeht und ihr in der Hungersteppe feststeckt)

Lange Sommer mit 40 Grad +

Eingeschränkte Meinungsfreiheit ! (Todesstrafe)

Das Gebiet Semipalatinsk sollte großräumig umfahren werden (470 Kernwaffenversuche - verseucht)

44% von Kasachstan sind Wüste.

Ihr werdet es nicht vergessen und wir Euch auch nicht. Diese Jugend...
 
Georg

Georg

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Mann, nun mal langssam! Schau Dir mal ein Altenheim an, wie es da zugeht. Ich war mehrere Jahre in Afrika und Asien, auch Somalia, Uganda und Nigeria. Und ich lebe noch, vielleicht sogar besser als viele Altersgenossen.
 
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