Meine Fahrt von Sonntag, mit Navi-Test

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westerwaelder

Keine Ahnung, ob hier eine kleine Plauderei mit ein paar Anmerkungen erwünscht ist, aber ich halte letztere für praxisgerecht. Aaalso, nachdem ich herausgekriegt habe, wie ich aus meinen drei ollen Akkus doch noch etwas weitere Touren als zum Aldi im nächsten Dorf herauskitzeln kann, habe ich die Tour zu einem Vergleich mit Navi-Apps genutzt. Für die Pedelec-Reichweite brauch' ich eigentlich kein Navi, aber ich habe noch einen kleinen Roller und ein Motorrad. Meine Erkenntnisse:


Sonntag, 17. Heute war die jährliche Veranstaltung "WIEDer in' s Tal", bei der ein Sperrriegel gegen die Bürger von 60 Kilometern Länge durch das Land gezogen wird, damit Gastronomie, Interessenverbände und Politiker sich auf einer Radfahrer-Veranstaltung ihr Süppchen kochen können (Familien, die Radwandern betreiben wollen, fahren eh auf Feld-, Ufer- und Waldwegen und auch nicht nur an einem bestimmten Tag). Ich habe auch eine Radtour gemacht, aber in die andere Richtung, habe schon früher festgestellt, wie agressiv die Horden von Sportradfahrern auch im Umkreis agieren. Für mich ging es also aus der Nähe des Siebengebirges in den Leuscheid (Höhenzug zwischen Altenkirchen und Siegtal, eine meiner Lieblings-Gegenden bei früheren Motorradtouren), nach Herchen und an der Sieg entlang bis vor Eitorf, um dann wieder den Heimweg einzuschlagen.

An sich ist ein Elektrofahrrad die intelligenteste Methode, sich an regenfreien Tagen im Nahbereich von A nach B zu begeben: das bisschen Energie für den Hilfsmotor kostet praktisch kein Geld, und was man darüberhinaus an Muskelkraft einsetzen muss, tut nicht weh. Viereinhalb Stunden Fahrspaß in schöner Landschaft an einem Frühlingstag wahlweise mit dem Elektrorad oder mit dem Motorrad, was ist da der Unterschied? Nichts, außer vierzig Euro Sprit-, Inspektions- und Reifenkosten, gerechnet für 240 Kilometer mit dem Motorrad. Natürlich unterschlägt die Presse (und selbstverständlich die Herstellerwerbung) die Information, daß die Akkus für typischerweise 300 Euro typischerweise drei Jahre halten und irgendwann bei 5 oder 10 km Reichweite landen. Gut, daß ich zwei gebrauchte billig hinzugekauft hatte.
Statistik: Akku I hat 24km durchgehalten, Akku II 32km und Akku III blieb einen Kilometer von zuhause bei 18km stehen (ging aber schon bergab). Gesamt-Kilometer 74 mit allen akku-schonenden Tricks, Fahrzeit 13:00 bis 18:40 Uhr.

Die wichtigsten Tricks sind übrigens: a.) Bergab ausschalten. Man sollte als Elektro- und Physik-Kundiger denken, wenn der Motor nicht arbeiten muss, fließt auch kein Strom, aber das stimmt ganz offensichtlich nicht. Schaltet man den Antrieb ganz aus, so startet der Motor nachher mit einer deutlich höheren Spannung und Anzugskraft. Über die Stromersparnis hinaus muss der Akku dabei irgendwie eine Erholung erfahren. Ich stelle mir vor, daß sich in diesen Minuten Gasbläschen von den Elektroden ablösen oder irgendsowas. Bitte nicht lachen, das ist nur so eine Verdeutlichung des Effektes, kein wirkliches Geschehen im Akku.
b.) Ich habe den Motor im Vorderrad und die Drehzahl, somit der Wirkungsgrad, hängt daher nur von der Geschwindigkeit ab. Unter 8 km/h gibt es praktisch keine Motorhilfe, unter 11 km/h verbraucht der Motor ein Vielfaches der Akkuladung, verglichen mit Geschwindigkeiten um 16-23 km/h. Wenn ich eine "weite" Tour machen will, wähle ich hier im Bergland des Westerwaldes, um aus den Flußtälern wieder auf die Höhe zu gelangen, besser einen sehr steilen Anstieg und steige ab, um das Pedelec mit Motorkraft unter Verlust von ein paar Minuten bergauf zu schieben, statt typischerweise pro 300 Höhenmeter eine ganze Akkuladung zu verbraten.

Ergebnisse: die kostenlose Navi-App "Mapfactor" ist mit den kostenlosen OpenStreetMap Karten einfach nur Sch(xxxx)e. Diese Karten werden von Privatleuten als Hobby gepflegt und genauso fallen sie auch aus, denn Karten für Navis müssen nicht nur schön aussehen und die Straßen korrekt wiedergeben, sondern auch Abzweig-Anweisungen etc. für jede einzelne Straße in der Pampa, Hausnummern, Einbahnstraßenregelungen, Durchfahrtverbote für Kraftfahrzeuge usw. usf. enthalten und da hapert es dran. Die Straße gabelt sich oder mündet in eine andere und es gibt keine Voice-Angabe, ob links oder rechts zu fahren sei (östlich Asbach/Ww, links nach Limbach, rechts nach Krumbach), oder mitten in der beschaulichen Kleinstadt Asbach/Westerwald kommt, nach kurzem Ausfall der Sat-Verbindung 20 Minuten vorher, eine Ansage, es sei in 300... 100... Metern ... jetzt die Ausfahrt zu nehmen und dann habe man das Ziel erreicht (das in Wirklichkeit 20km weiter liegt und schon mal gar nicht an einer Schnellstraße mit Ausfahrten).

Nicht nur die Kartendaten lassen zu wünschen übrig. Will man einfach auf dem Smartphone die Karte betrachten, wo man ist, fällt man bei der kostenlosen Software auch rein - gerade die umliegenden Straßen und Orte sind von dicken Fenstern für Abbiegen etc. verdeckt und das Handy friert ein, bis man die Navigation der betreffenden Strecke beendet. Man kann die Karte nicht verschieben, um zu sehen, wo die Straße hingeht, die gerade angezeigt wird. MapFactor ist eine beweiskräftige Demonstration, daß man auch mit einem kostenlosen Programm hübsch aussehende Kartenausschnitte auf dem Smartphone sehen und irgend welche Sprach-Anweisungen erhalten kann, aber förderlich für eine Tour ist diese App nicht.
Mein guter alter Navman F35 für 50 Euro, dessen Teleatlas-Karten leider von 2009 sind, erwies sich als zuverlässig und hat auf einer Strecke nur ein Viertel seiner Akkuladung verbraucht, auf der die Mapfactor App den Handy-Akku vollkommen leersaugte. Mit den 3M Dual-Lock Klettverschlüssen (die halten alles) hält er wunderbar auf dem Fahrrad an der Schräge des Lenkervorbaus und am Roller. Ich habe mir vorgenommen, ihm auch noch eine Buchse für Ohrhörer zu verpassen, dann ist er für die Sprachführung auf Roller und Motorrad tauglich.

Die App von TomTom funktioniert und ist in der Straßenkenntnis dem Navman ungefähr ebenbürtig. Kein Wunder, beruht der Navman als auch TomTom auf den seinerzeitigen Teleatlas-Daten. Mal will TomTom wenden, während Navman weiß, wo es weitergeht, mal schickt Navman einen auf besseren Feldwegen in die falsche Richtung, während TomTom eine korrekte Straßenverbindung kennt. Dumm nur, daß TomTom diese App mit "lebenslangen Updates" und als offline-Navi (braucht also angeblich nicht wie Google Maps eine bestehende Internetverbindung) verkauft hat. Ich bin natürlich drauf geflogen und habe Ende 2014 den Super-Sonderpreis von 29,99 Euro bezahlt, 2015 wird die App aber von TomTom gesperrt und offline kann man sich sowieso nicht drauf verlassen - sie telefoniert in Abständen nach Hause, ob eine gültige Lizenz vorliegt und diese nicht gesperrt worden ist (siehe oben, am 30.9.2015 ist Schluß) und das heisst, wenn man mitten im Westerwald oder in der Eifel nicht mehr weiter weiß und die Navi-App bräuchte, geht das Programm nicht.

Mein Fazit: lieber ein preiswertes Navi mit "Knopf im Ohr" betreiben, das die zuverlässigen kommerziellen Karten nutzt (es gibt nur TomTom und Navteq-Systeme), das funktioniert zwangsläufig ohne Internet weiter und spart auch noch Handy-Akkuladung. Möglich, daß "HERE" von Nokia auch auf dem Smartphone eine günstige offline-Lösung darstellt, aber das läuft erst ab Android 4.1 und ich habe 4.0 drauf. Ich vermute auch, es liegt an meinem Smartphone, daß das an sich renommierte MapFactor nicht flüssig drauf läuft, sonst könnte man MapFactor zum Spottpreis (15 Euro, nur D) auch mit TomTom Karten betreiben.

Hinweis: Wer mich wegen meiner Bemerkungen über Politiker, Hersteller, Presse und freie Navigationskarten zu lynchen wünscht, erfrage bitte meine Adresse über PN ;) .
 

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Biker50

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Mein Vorschlag wäre Komoot, läuft klasse auf Android, mit Sprachanweisung und guten Karten.
 
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westerwaelder

Mein Vorschlag wäre Komoot, läuft klasse auf Android, mit Sprachanweisung und guten Karten.
Es gibt z.B. auch noch Osmand und Oruxmaps (das ich auch mal ausprobiert hatte). Es muss jeder wissen, was er davon brauchen kann. Ich habe den Eindruck, man muß sich bei spezieller Fahrrad-Navigation viel damit beschäftigen, um viel rauszukriegen. Es kann für lange Jahre noch nicht klappen, daß Fahrrad-Navigationen so sicher, so billig und so erfolgversprechend sind wie die Standard-Navis, denn es gibt sicher um den Faktor 100 mehr Wege, die mit dem Fahrrad benutzt werden können, als Autostraßen. Der ganze Aufwand wird vielleicht lohnend, wenn man dann auch Routen austauscht (oder natürlich für die Glücklichen, die eine Gegend erwischen, für die es zuverlässige OSM-Karten gibt).

Ich selber als Gelegenheitsfahrer bleibe nach diesen Versuchen bei den etablierten, ich sage mal, Auto-Navigationen und freue mich, wenn ich von denen, erstmal auf asphaltierten Verbindungsstraßen angelangt, im einfachsten Fall an die Heimatadresse zurückgeführt werde, egal ob ich mich verirrt habe oder nachdem ich mich auf einem hübschen Feld- oder Waldweg eine Zeitlang auf mein Glück, meinen Ortssinn oder eine nostalgische Radwanderkarte verlassen habe.
 
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westerwaelder

Mein Vorschlag wäre Komoot, läuft klasse auf Android, mit Sprachanweisung und guten Karten.
Nachdem ich erst einmal die Online-Planung gefunden hatte (https://www.komoot.de/plan), fand ich die vorgeschlagene Route gar nicht übel. Sie entsprach dem, was ich zwischen den Wegepunkten auch genommen hätte oder hatte. Vielleicht geb' ich der App für Radtouren eine Chance.
 
globebus

globebus

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Die Aussage über OpenStreetMap Karten finde ich etwas ungerecht. Ich navigiere beim Radfahren und Wandern schon seit Jahren damit. Allerdings mit einem Garmin Oregon.
Das Teil hat zwar keine Sprachausgabe, gibt aber vor der nächsten Abbiegung ein Signal.
Man muss unterscheiden zwischen navigationsfähigen und nicht navigationsfähigen Karte. Die Auswahl ist riesig.
Auch gibt es Karten speziell für Radfahrer mit allen Details. Und, sie sind kostenlos.
 
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westerwaelder

Stimmt schon, es gibt offensichtlich eine Menge Apps da draussen, für die speziell bearbeitete OSM-Karten mit Zielgruppe Fahrrad (incl. Pedelec) erhältlich sind.
Mapfactor auf OSM-Basis finde ich aber nach wie vor für meine Zwecke unzumutbar. Ich hatte aber auch absichtlich viel geschrieben, zu welcher Zielgruppe ich selber gehöre.
 
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westerwaelder

Eine erste Verbesserung: ich konnte eine Kopfhörerbuchse in den Navman F35 einbauen. Er hat(te) noch eine Menge Luft drin und an der Unterseite passte sie gut rein, nachdem ich eien Versteifungsrippe weggeschnitzt hatte. Damit ist das Navi für die Navigation auf Zweirädern tauglich.

Wie erwähnt haben separate Navis einige Vorteile (vor allem, wenn man eines seit Jahren blind bedienen kann...). Unter anderem ist der Ohrhörer am Smartphone zu leise, wenn ab 30 Sachen der Fahrtwind laut wird, die Bedienung ist logischer und wie ich bei Navi-Apps für's Smartphone die vorgesehene Track-Aufzeichnung in Gang bekomme, muss ich erst einmal rauskriegen.
 

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