Leichtes und preiswertes e-MTB , 14kg, 2500Euro zum Selbstbau.

Diskutiere Leichtes und preiswertes e-MTB , 14kg, 2500Euro zum Selbstbau. im Umbau-Pedelecs Forum im Bereich Diskussionen; Hier mein 2.Umbau aus dem Jahr 2018. Was soll dieses Rad können? Da ich gerne Überquerungen der Alpen mit teils heftigen Tragestücken mache...
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KTM Myroon mit Modellbau-Brushless Eigenbau
Hier mein 2.Umbau aus dem Jahr 2018.

Was soll dieses Rad können? Da ich gerne Überquerungen der Alpen mit teils heftigen Tragestücken mache sollte es möglichst leicht sein. Da ich das Ganze autark mit Zelt betreibe und nicht den ganzen Tag (10h Fahrzeit- oder besser Bewegtzeit-) den Rucksack tragen möchte sollte dieser stabil auf einen Gepäckträger spannbar sein. Da ich auch nicht immer mit einem versifften Rucksack rummachen will, braucht es Schutzbleche. Der Motor sollte vor allem bei starken Steigungen helfen, inklusive Schiebehilfe (Da wird man dann regelrecht nach oben gezogen und braucht Verschnaufpausen, da man schon fast ins Rennen kommt).

Als Basis suchte ich einen günstigen Carbonrahmen, da ich hier auf einfache und leichte Weise Anbauteile befestigen kann. Weiterhin musste in der Hinterradaufhängung Platz sein(dazu später). Es wurde dann ein KTM Myroon für ca. 2000 Euro und realen 11kg ohne Pedale.

20210206_1445.JPG


Die Anbauteile wurden ohne aufwändige Formen gebaut. Die Schutz’bleche‘ einfach von einem Schutzblech durch auflegen abgeformt, käufliche Rohre, alles direkt an den Rahmen geharzt und mit Rovings umwickelt. Insgesamt war es wahrscheinlich nicht viel mehr Arbeit als käufliche Teile auf anständige Weise an nicht vorhandene Aufhängepunkte zu befestigen. Das Ganze ist nicht kompliziert, aber man sollte schon im Vorfeld mal mit Harz und Kohlefaser gearbeitet haben.

Ich möchte hier auch mal anmerken, dass die Reparierfähigkeit eigentlich für einen Carbonrahmen spricht. Das kann mit entsprechender ‚Sicherheitsaufdickung‘ und Beachtung der Grundregeln (Schäftung etc.) von fast Jedermann gemacht werden ( dann entfällt die Gewährleistung, weswegen es kein Profi angeht und immer zum Neukauf rät) während eine Reparatur eines leichten Alurahmens für den 'Normalo' eher nicht möglich ist.

Auslegung des Antriebs: Zuerst war ein Mittelmotor angedacht, wegen der Schaltbarkeit. Die käuflichen Varianten waren zu schwer (damals noch 3kg) und sind für ein MTB an ungünstiger Stelle verbaut. Ein Eigenbau wäre kompliziert geworden. Dann kam ich zu dem Schluss: bei weniger als 4km/h bevorzuge ich das Rad zu schieben, speziell bei E-bikes ist es dann wirklich steil. Da ich ja im Urlaub bin, braucht es nicht schneller werden als 20km/h. das Drehzahlspektrum von 1:5 ist für Brushless-Motoren kein Problem. Somit braucht es keine Schaltfähigkeit, lediglich das max. Drehmoment wird bei geringen Geschwindigkeiten < 8km/h? nicht ansteigen (was beim Schalten ja möglich ist).

Somit wurde es ein Direktantrieb mit Kette. Ein kleiner Zahnriemen hätte das Drehmoment nicht geschafft, und ist auch anfälliger gegen Schlamm. Somit war als kleinstes Standard Ritzel 9Z vom Panasonic-Motor und das Kettenrad als Standard 48Z ( ja, mit Rennrad oder Spezial wäre auch mehr gegangen). Für diese Übersetzung brauchte ich aber einen Motor mit 50U/V bei 24V. Da es diese aber nicht sinnvoll gibt, musste ich ohnehin zu einem Standardmotor mit 200U/V, max.45A greifen und eben noch ein Getriebe verbauen. Als Getriebe verwendete ich ein 1:5 Super Chief von Reisenauer was perfekt zu den Modellbaumotoren passt.

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Beim Fahren ohne Motor merkt man die Kette schon ein wenig, es ist hier aber entscheidend, dass diese NICHT gespannt ist, sondern nur nicht mehr schlackert! Auch durch leichtes Spannen der Kette ( wie etwa die Antriebskette) ist eine deutliche Verschlechterung zu spüren. Der Widerstand ist dennoch deutlich geringer im Vergleich zur ‚normalen‘ Kette, da dies ja 4 Umschlingungen hat. Zuerst habe ich Versuche mit starr eingebautem Motor und Kettenspanner gemacht, die Erhöhung des Wiederstands durch den Spanner war aber deutlich. Ein weiterer Vorteil des Konzepts ist, dass die ‚normale‘ Kette geschont wird, da diese jetzt nicht auch noch das Drehmoment des Motors übertragen muss. Besonders bei 12-fach Schaltungen ist dies von Vorteil da bei aktuellen Preisen von 40Euro für Kette und 150Euro für die Kassette ein Austausch nicht so billig ist. Der Ausbau des Hinterrads ist schnell erledigt, man muss nur zusätzlich das Kettenschloss öffnen. Ich habe mir dazu einen einfachen kleinen Öffner(Zange, 10g) aus drei Blechen gebastelt, der im Flickzeug-Kästchen liegt.

Somit besteht der Antrieb aus KEDA-Motor, Welle auf 6mm abgedreht, aufgeklebtem Ritzel für das Gertriebe, angeschraubtem Getriebe auf den Motor. Vom Getriebe (6mm-Welle) habe ich die Welle in eine 10mm Welle eigeklebt (und wegen des höheren Drehmoments musste ich für Spulenströme > 25A die beiden Wellen verstiften, da nur die Verklebung auf Dauer nicht gehalten hat). Auf der 10mm Welle laufen zwei in den ‚Laufkörper‘ eingepresste Rollenfreiläufe (Vom Drehmoment ist es für einen sehr knapp, wieviel die Verdopplung bringt ist aber ungewiss) mit beidseitigen separaten Kugellagern mit Innenring. Das Ritzel ist mit diesem ‚Laufkörper‘ verschraubt (3xM3). Die 10mm-Achse wurde verbaut, da die 6mm Achse ohnehin zu kurz war. Das Getriebe wurde auf einem separaten Blech montiert, das gegenüber der Achsaufhängung auf der Gegenseite ein bisschen Bewegung zulässt, um leichte Asymetrien zu tolerieren, da alles auf ‚erweiterem Selbstbauniveau‘ mit einfacher Drehbank gemacht wurde. Diese ganze Einheit (der Alurahmen) ist unten drehbar gelagert und kann zur Spannung der Kette mit der Gewindestange oben bewegt werden.

Die Befestigung des Kettenrads ist zwar einfach, bedarf aber einer gründlichen Vorbereitung beim Radkauf:

Da es auf der Bremsenseite montiert ist, nutzt man die Aufhängung der Bremsscheibe. Da beim Bremsen wesentlich höhere Kräfte wirken ist das kein Problem. Auch der Versatz der Bremsscheibe um 2mm ist kein Problem, da auf der hinteren Bremse weniger max. Belastung wirkt als vorn, und vorn die gleiche Konstruktion auch ausreicht. Hier ist es wichtig, dass die Aufhängung kein Centerlock sondern eine IS2000 mit den 6 Schrauben ist. Der Adapter für das Kettenrad wird unter die Bremsscheibe zusammen mit der Bremsscheibe und 2mm längeren Schrauben verschraubt. Ein normales Kettenblatt hat eine Stärke von 2mm. Da hier aber ein Versatz von 2cm von Aufhängung zu Kettenblattbefestigung ist, habe ich zur Vorsicht erstmal noch 0,5mm mehr, also 2,5mm an den Verschraubungen genommen. Dies ist aber nicht notwendig, 2mm oder 1,7mm sollten gut reichen, sofern man nicht das allerschlechteste Alu verwendet.

So, aber woher diesen Extra-Platz nehmen? Daher ist beim Kauf darauf zu achten, dass zwischen Bremsscheibe und Rahmen möglichst viel Platz ist. Der Bremssattel kann ja zur Einstellung weiter nach außen geschoben werden. Hier gibt es die ersten 0,5-1mm. Weiterhin kann geschaut werden, wie sich der Rahmen verhält, wenn die Achse gelöst wird. Hier weitet sich normalerweise der Rahmen ein wenig, damit man Platz beim Einbau hat. Auch dieses kann dazu benutzt werden, ein wenig Platz zu schaffen. Man kann den Rahmen auch ein kleines Bisschen! nach außen drücken und noch mehr Raum schaffen. Durch eine 1-1,5mm Unterlegscheibe (verkleben für einfaches Handling) auf der linken Seite sollte es dann passen. Natürlich ist dann das Rad 0,5mm außermittig, aber das merkt man wirklich nicht (der Reifen hat oft höhere Toleranzen). Bei Boost-Achsen gibt es weiterhin die Möglichkeit, wenn die Kassette noch ein bisschen Abstand zum Rahmen hat, die ‚Achshülse‘(wo die Steckachse durchgesteckt wird) in der Nabe auf der rechten Seite um 1mm zu kürzen. Auch aus diesem Grund war der Rahmen des KTM-Myroons sehr passend, da war viel Platz und ich habe dies genutzt.

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20210206_1451.JPG


Und wie sieht es mit dem Gewicht aus:

Motor & Getriebe: 611g

Ritzel, Alu-Drehteil,Freilauf: 111g

Motorhalter: 178g

Kette: 260g

Kettenblatt 130g

Aluaufnahme für Kettenblatt: 150g

Achsen, Spanner, Scheiben, etc.: 60g?

Gepäckträger, Batteriehalter, Flaschenhalter(5g!), Ständer!(12g): 150g?

Schutzbleche: 80g

Elektronik: 130g

Akku6s4p 18650 ohne BMS: 1,2kg

Somit insgesamt 1,5kg für den Antrieb, sonstige Teile 230g, mit Akku & Elektronik etwa 3kg.

Wobei es noch etliches an Optimierungspotential gäbe.

Bei meiner Version am anderen Rad mit Zahnriemen wiegt der Antrieb lediglich 800g.

Natürlich ist durch die offene Konstruktion bei laufendem Motor etwas mehr Geräusch zu hören als bspw. mit einem Mittelmotor, aber mit einem ‚FOC‘- Regler ist dies nicht wirklich störend.

Batterie LiIo 6s4p, 12Ah, 1,2kg, ohne BMS etc, geladen mit Modellbaulader, Ladezustand über Einzelzellen-Spannungsanzeige(1Euro) mit Alarm bei Unterschreitung. Regler schaltet auch bei Unterspannung ab.

Regler: HobbyWing 60A. Da es sich hier um einen Steller handelt muss dieser über einen Stromregler geregelt werden. Bei mir ist es noch eine selbst entwickelte Steuerung die auch den Pedalsensor & Geschwindigkeit überwacht. Hierzu gibt es schon zahlreiche aktuelle Lösungen hier im Forum. Meine aktuelle Lösung in einem anderen Rad: Eine VESC mit geringen Änderungen im c-code für den Pedalsensor mit Reed-Kontakt auf ADC2. Auch dieses Rad werde ich nächstens entsprechend umrüsten.

Sonstiges: Ich fahre mit Daumengas und Tretsensor über Magnet an der Kurbel mit Reed-Kontakt am Rahmen.

Eine Variante des Antriebs wäre, bei einer 12-fach Schaltung den Antrieb auf die rechte Seite zu legen. Man könnte den Motor auf das große Kettenrad von Gang1 legen, Gang2 bleibt unbenutzt ( beide braucht man bei einem E-bike nicht wirklich) und die ‚normale‘ Kette schaltet von 3-12. Vorteil: Berg runter dreht die Kette vom Motor nicht mit. Nachteil: wenn der Motor läuft, drehen die Pedale mit, was mit einem Freilauf vorn vermieden werden muss.

Weiterhin ist es möglich, einen der Drohnen-Motoren mit 100U/V 50A ( siehe ADEN-Antrieb von Chris007 hier im Forum) zu benutzen, und ein Kettenrad mit > 48Z zu nehmen (bis 70Z erhältlich). Jetzt kann man auf das Getriebe verzichten. Natürlich halbiert sich das Drehmoment damit aber die Geschwindigkeit verdoppelt sich . Der Vorteil: Der dann flache Motor kann seitlich auf die Schwinge beim Fully montiert werden. Das Ganze wird dann aber schon dem ADEN sehr ähnlich. Ich habe inzwischen auch ein Fully mit ADEN-Antrieb aufgebaut, Antriebsgewicht leicht höher bei ca.2kg. Der ADEN-Antrieb hat einen höheren Widerstand beim Fahren ohne Motorunterstützung und ist dabei lauter. Er und ist weniger tolerant für Schmutz, speziell bei kleineren Steinen, wenngleich die Haltbarkeit schon o.k. ist. Allerdings ist natürlich der Einbau schon erheblich einfacher.

Inzwischen habe ich die Gabel von Judy silver auf Reba getauscht (war im Angebot). Jetzt hat es 130mm und ca. 500g! weniger. Die Ergo-Griffe mit Hörnchen sind aus Carbon, je 30g.

Falls es gesteigertes Interesse an dem Halter für das Kettenrad gibt, kann ich mal schauen, ob ich diesen auf einer CNC-Maschine in Kleinserie fertigen lassen kann. Das wird dann aber schon in den Bereich von 80 Euro kommen.
 
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Ich bin begeistert! Eine sehr konsequent auf die Anforderungen abgestimmte Lösung. (y)(y)(y)
 
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Hier mein 2.Umbau aus dem Jahr 2018.

Was soll dieses Rad können? Da ich gerne Überquerungen der Alpen mit teils heftigen Tragestücken mache sollte es möglichst leicht sein. Da ich das Ganze autark mit Zelt betreibe und nicht den ganzen Tag (10h Fahrzeit- oder besser Bewegtzeit-) den Rucksack tragen möchte sollte dieser stabil auf einen Gepäckträger spannbar sein. Da ich auch nicht immer mit einem versifften Rucksack rummachen will, braucht es Schutzbleche. Der Motor sollte vor allem bei starken Steigungen helfen, inklusive Schiebehilfe (Da wird man dann regelrecht nach oben gezogen und braucht Verschnaufpausen, da man schon fast ins Rennen kommt).

Als Basis suchte ich einen günstigen Carbonrahmen, da ich hier auf einfache und leichte Weise Anbauteile befestigen kann. Weiterhin musste in der Hinterradaufhängung Platz sein(dazu später). Es wurde dann ein KTM Myroon für ca. 2000 Euro und realen 11kg ohne Pedale.

Anhang anzeigen 365748

Die Anbauteile wurden ohne aufwändige Formen gebaut. Die Schutz’bleche‘ einfach von einem Schutzblech durch auflegen abgeformt, käufliche Rohre, alles direkt an den Rahmen geharzt und mit Rovings umwickelt. Insgesamt war es wahrscheinlich nicht viel mehr Arbeit als käufliche Teile auf anständige Weise an nicht vorhandene Aufhängepunkte zu befestigen. Das Ganze ist nicht kompliziert, aber man sollte schon im Vorfeld mal mit Harz und Kohlefaser gearbeitet haben.

Ich möchte hier auch mal anmerken, dass die Reparierfähigkeit eigentlich für einen Carbonrahmen spricht. Das kann mit entsprechender ‚Sicherheitsaufdickung‘ und Beachtung der Grundregeln (Schäftung etc.) von fast Jedermann gemacht werden ( dann entfällt die Gewährleistung, weswegen es kein Profi angeht und immer zum Neukauf rät) während eine Reparatur eines leichten Alurahmens für den 'Normalo' eher nicht möglich ist.

Auslegung des Antriebs: Zuerst war ein Mittelmotor angedacht, wegen der Schaltbarkeit. Die käuflichen Varianten waren zu schwer (damals noch 3kg) und sind für ein MTB an ungünstiger Stelle verbaut. Ein Eigenbau wäre kompliziert geworden. Dann kam ich zu dem Schluss: bei weniger als 4km/h bevorzuge ich das Rad zu schieben, speziell bei E-bikes ist es dann wirklich steil. Da ich ja im Urlaub bin, braucht es nicht schneller werden als 20km/h. das Drehzahlspektrum von 1:5 ist für Brushless-Motoren kein Problem. Somit braucht es keine Schaltfähigkeit, lediglich das max. Drehmoment wird bei geringen Geschwindigkeiten < 8km/h? nicht ansteigen (was beim Schalten ja möglich ist).

Somit wurde es ein Direktantrieb mit Kette. Ein kleiner Zahnriemen hätte das Drehmoment nicht geschafft, und ist auch anfälliger gegen Schlamm. Somit war als kleinstes Standard Ritzel 9Z vom Panasonic-Motor und das Kettenrad als Standard 48Z ( ja, mit Rennrad oder Spezial wäre auch mehr gegangen). Für diese Übersetzung brauchte ich aber einen Motor mit 50U/V bei 24V. Da es diese aber nicht sinnvoll gibt, musste ich ohnehin zu einem Standardmotor mit 200U/V, max.45A greifen und eben noch ein Getriebe verbauen. Als Getriebe verwendete ich ein 1:5 Super Chief von Reisenauer was perfekt zu den Modellbaumotoren passt.

Anhang anzeigen 365749

Beim Fahren ohne Motor merkt man die Kette schon ein wenig, es ist hier aber entscheidend, dass diese NICHT gespannt ist, sondern nur nicht mehr schlackert! Auch durch leichtes Spannen der Kette ( wie etwa die Antriebskette) ist eine deutliche Verschlechterung zu spüren. Der Widerstand ist dennoch deutlich geringer im Vergleich zur ‚normalen‘ Kette, da dies ja 4 Umschlingungen hat. Zuerst habe ich Versuche mit starr eingebautem Motor und Kettenspanner gemacht, die Erhöhung des Wiederstands durch den Spanner war aber deutlich. Ein weiterer Vorteil des Konzepts ist, dass die ‚normale‘ Kette geschont wird, da diese jetzt nicht auch noch das Drehmoment des Motors übertragen muss. Besonders bei 12-fach Schaltungen ist dies von Vorteil da bei aktuellen Preisen von 40Euro für Kette und 150Euro für die Kassette ein Austausch nicht so billig ist. Der Ausbau des Hinterrads ist schnell erledigt, man muss nur zusätzlich das Kettenschloss öffnen. Ich habe mir dazu einen einfachen kleinen Öffner(Zange, 10g) aus drei Blechen gebastelt, der im Flickzeug-Kästchen liegt.

Somit besteht der Antrieb aus KEDA-Motor, Welle auf 6mm abgedreht, aufgeklebtem Ritzel für das Gertriebe, angeschraubtem Getriebe auf den Motor. Vom Getriebe (6mm-Welle) habe ich die Welle in eine 10mm Welle eigeklebt (und wegen des höheren Drehmoments musste ich für Spulenströme > 25A die beiden Wellen verstiften, da nur die Verklebung auf Dauer nicht gehalten hat). Auf der 10mm Welle laufen zwei in den ‚Laufkörper‘ eingepresste Rollenfreiläufe (Vom Drehmoment ist es für einen sehr knapp, wieviel die Verdopplung bringt ist aber ungewiss) mit beidseitigen separaten Kugellagern mit Innenring. Das Ritzel ist mit diesem ‚Laufkörper‘ verschraubt (3xM3). Die 10mm-Achse wurde verbaut, da die 6mm Achse ohnehin zu kurz war. Das Getriebe wurde auf einem separaten Blech montiert, das gegenüber der Achsaufhängung auf der Gegenseite ein bisschen Bewegung zulässt, um leichte Asymetrien zu tolerieren, da alles auf ‚erweiterem Selbstbauniveau‘ mit einfacher Drehbank gemacht wurde. Diese ganze Einheit (der Alurahmen) ist unten drehbar gelagert und kann zur Spannung der Kette mit der Gewindestange oben bewegt werden.

Die Befestigung des Kettenrads ist zwar einfach, bedarf aber einer gründlichen Vorbereitung beim Radkauf:

Da es auf der Bremsenseite montiert ist, nutzt man die Aufhängung der Bremsscheibe. Da beim Bremsen wesentlich höhere Kräfte wirken ist das kein Problem. Auch der Versatz der Bremsscheibe um 2mm ist kein Problem, da auf der hinteren Bremse weniger max. Belastung wirkt als vorn, und vorn die gleiche Konstruktion auch ausreicht. Hier ist es wichtig, dass die Aufhängung kein Centerlock sondern eine IS2000 mit den 6 Schrauben ist. Der Adapter für das Kettenrad wird unter die Bremsscheibe zusammen mit der Bremsscheibe und 2mm längeren Schrauben verschraubt. Ein normales Kettenblatt hat eine Stärke von 2mm. Da hier aber ein Versatz von 2cm von Aufhängung zu Kettenblattbefestigung ist, habe ich zur Vorsicht erstmal noch 0,5mm mehr, also 2,5mm an den Verschraubungen genommen. Dies ist aber nicht notwendig, 2mm oder 1,7mm sollten gut reichen, sofern man nicht das allerschlechteste Alu verwendet.

So, aber woher diesen Extra-Platz nehmen? Daher ist beim Kauf darauf zu achten, dass zwischen Bremsscheibe und Rahmen möglichst viel Platz ist. Der Bremssattel kann ja zur Einstellung weiter nach außen geschoben werden. Hier gibt es die ersten 0,5-1mm. Weiterhin kann geschaut werden, wie sich der Rahmen verhält, wenn die Achse gelöst wird. Hier weitet sich normalerweise der Rahmen ein wenig, damit man Platz beim Einbau hat. Auch dieses kann dazu benutzt werden, ein wenig Platz zu schaffen. Man kann den Rahmen auch ein kleines Bisschen! nach außen drücken und noch mehr Raum schaffen. Durch eine 1-1,5mm Unterlegscheibe (verkleben für einfaches Handling) auf der linken Seite sollte es dann passen. Natürlich ist dann das Rad 0,5mm außermittig, aber das merkt man wirklich nicht (der Reifen hat oft höhere Toleranzen). Bei Boost-Achsen gibt es weiterhin die Möglichkeit, wenn die Kassette noch ein bisschen Abstand zum Rahmen hat, die ‚Achshülse‘(wo die Steckachse durchgesteckt wird) in der Nabe auf der rechten Seite um 1mm zu kürzen. Auch aus diesem Grund war der Rahmen des KTM-Myroons sehr passend, da war viel Platz und ich habe dies genutzt.

Anhang anzeigen 365750

Anhang anzeigen 365751

Und wie sieht es mit dem Gewicht aus:

Motor & Getriebe: 611g

Ritzel, Alu-Drehteil,Freilauf: 111g

Motorhalter: 178g

Kette: 260g

Kettenblatt 130g

Aluaufnahme für Kettenblatt: 150g

Achsen, Spanner, Scheiben, etc.: 60g?

Gepäckträger, Batteriehalter, Flaschenhalter(5g!), Ständer!(12g): 150g?

Schutzbleche: 80g

Elektronik: 130g

Akku6s4p 18650 ohne BMS: 1,2kg

Somit insgesamt 1,5kg für den Antrieb, sonstige Teile 230g, mit Akku & Elektronik etwa 3kg.

Wobei es noch etliches an Optimierungspotential gäbe.

Bei meiner Version am anderen Rad mit Zahnriemen wiegt der Antrieb lediglich 800g.

Natürlich ist durch die offene Konstruktion bei laufendem Motor etwas mehr Geräusch zu hören als bspw. mit einem Mittelmotor, aber mit einem ‚FOC‘- Regler ist dies nicht wirklich störend.

Batterie LiIo 6s4p, 12Ah, 1,2kg, ohne BMS etc, geladen mit Modellbaulader, Ladezustand über Einzelzellen-Spannungsanzeige(1Euro) mit Alarm bei Unterschreitung. Regler schaltet auch bei Unterspannung ab.

Regler: HobbyWing 60A. Da es sich hier um einen Steller handelt muss dieser über einen Stromregler geregelt werden. Bei mir ist es noch eine selbst entwickelte Steuerung die auch den Pedalsensor & Geschwindigkeit überwacht. Hierzu gibt es schon zahlreiche aktuelle Lösungen hier im Forum. Meine aktuelle Lösung in einem anderen Rad: Eine VESC mit geringen Änderungen im c-code für den Pedalsensor mit Reed-Kontakt auf ADC2. Auch dieses Rad werde ich nächstens entsprechend umrüsten.

Sonstiges: Ich fahre mit Daumengas und Tretsensor über Magnet an der Kurbel mit Reed-Kontakt am Rahmen.

Eine Variante des Antriebs wäre, bei einer 12-fach Schaltung den Antrieb auf die rechte Seite zu legen. Man könnte den Motor auf das große Kettenrad von Gang1 legen, Gang2 bleibt unbenutzt ( beide braucht man bei einem E-bike nicht wirklich) und die ‚normale‘ Kette schaltet von 3-12. Vorteil: Berg runter dreht die Kette vom Motor nicht mit. Nachteil: wenn der Motor läuft, drehen die Pedale mit, was mit einem Freilauf vorn vermieden werden muss.

Weiterhin ist es möglich, einen der Drohnen-Motoren mit 100U/V 50A ( siehe ADEN-Antrieb von Chris007 hier im Forum) zu benutzen, und ein Kettenrad mit > 48Z zu nehmen (bis 70Z erhältlich). Jetzt kann man auf das Getriebe verzichten. Natürlich halbiert sich das Drehmoment damit aber die Geschwindigkeit verdoppelt sich . Der Vorteil: Der dann flache Motor kann seitlich auf die Schwinge beim Fully montiert werden. Das Ganze wird dann aber schon dem ADEN sehr ähnlich. Ich habe inzwischen auch ein Fully mit ADEN-Antrieb aufgebaut, Antriebsgewicht leicht höher bei ca.2kg. Der ADEN-Antrieb hat einen höheren Widerstand beim Fahren ohne Motorunterstützung und ist dabei lauter. Er und ist weniger tolerant für Schmutz, speziell bei kleineren Steinen, wenngleich die Haltbarkeit schon o.k. ist. Allerdings ist natürlich der Einbau schon erheblich einfacher.

Inzwischen habe ich die Gabel von Judy silver auf Reba getauscht (war im Angebot). Jetzt hat es 130mm und ca. 500g! weniger. Die Ergo-Griffe mit Hörnchen sind aus Carbon, je 30g.

Falls es gesteigertes Interesse an dem Halter für das Kettenrad gibt, kann ich mal schauen, ob ich diesen auf einer CNC-Maschine in Kleinserie fertigen lassen kann. Das wird dann aber schon in den Bereich von 80 Euro kommen.
Hi,

du hast an einigen Teilen? Interessant wäre dann natürlich das Gesamtgewicht, fahrbereit mit definiertem Akku.
Aber Hut ab, ich finde es einfach mutig, ein Projekt anzugehen und die persönlich Grenzen zu erfahren.

Weiter machen, auch wenn dein Projekt nicht jedem User gefällt. Neue Wege gehen ist immer mit Lob und Tadel verbunden.
 
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AlpenX

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Das ? an den Teilen bedeutet, dass das Gewicht geschätzt ist, da ich es nicht genau weiß und nicht nachmessen kann/will.
Das Gesamtgewicht ist ja 11kg Neurad und die 3kg für Anbauteile, Antrieb & Akku ( ja, der hat nur 250Wh bzw.300Wh, 24 Zellen), macht 14kg Lebendgewicht. Mit der neuen Gabel sollten es sogar weniger sein. Ich habe immer 2 Akkus dabei und einen 250W Lader, da ich an manchen Tagen mittags & abends nachladen muss. Als Anhaltspunkt für diejenigen die auch solche Dinge betreiben: Die Asphaltstrasse auf der Westseite zum Tremalzo in 4Minuten/100Höhenmeter raufgefahren, von Riva aus mit etwas mehr als einer Akkuladung 8 und das lag nur zum kleineren Teil an meinen Muskeln. Der 2.Akku im Rucksack trägt sich wesentlich leichter...
 
oxygen36

oxygen36

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Linz-Donau HTL Matura85 auch Add-E Next2021 450Wh
Details E-Antrieb
BoschCX Perform 250W 500Wh+2x400Wh 20m/h 75,4km/h
Nice. Ich bin auch seit Jahren dran so etwas ähnliches zu bauen. Hab für mich die Ketten und Kettenblätter 219 von den Rotax Karts gefunden.
Vorteil: die gibts bis 92 Zähnen und Ritzel 11Z dazu. Die Kette in deiner gebrauchten Länge dürfte schwerer werden 320-360g. Kettenblatt aus Kevlar-kunststoff hat aber nur 125G.
Kettenblatt, Kettenrad Extron Pro 219er, 72 - 92 Zähne | Keep Racing
Und da gehts weiter mit Motore von 170,140,80 und 50kv um das Reisenauer wegzulassen.
APS8055 BLDC motor 70KV 4500W
 
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@oxygen36:
Ja, habe auch einen Alien 8318 mit 100kv an einem Aden, da muss man aber aufpassen wenn man weiter mit den kv's runter geht, geht der Innenwiderstand entsprechend nach oben. (Freundlicherweise lassen sie die Angaben da dann weg bzw. übernehmen die Angaben der hochdrehenden Versionen). Der 8318 hat 40pole, somit ein deulich schnelleres inneres Feld. Es wär interessant, wie hoch der Innenwiderstand vom 8055 ist. Ist aber trotzdem auch die Richtung die ich gerade andenke. 50kv und 9/92 wäre etwa passend. Das Problem bleibt der Abtrieb vom Motor, ich hätte den dann seitlich montiert, mit Ritzel & Freilauf wie am 'alten' Aden ( siehe forum hier), das wäre die einfachste Konstruktion. Das passt aber leider nicht zum 8318, beim 8055 schon. Mit einem Rollenfreilauf 10mm innen könnte es mit dem Ritzel knapp passen, die Welle muss aber gehärtet und geschliffen sein, und gleichzeitig in den Motor passen. Wenn dir da eine einfache Lösung einfällt, wäre das prima. Die Preise von deinen gefundenen Teilen sind jedenfalls interessant. Die Ghost-Motoren sind die einzigsten, von denen ich weiß, dass die Welle 12mm haben. Bei den Chinesen bin ich da nie auf eindeutige Angaben gestossen, da die normalerweise den Propeller an dem Rotor befestigen. beim 'neuen' Rad ist Gewicht kein Thema...
Halte mich auf dem laufenden...
 
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