Dauertest Q100H

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Simon_D

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Ich lese hier seit Jahren mit und habe den Q100H seit 5000 km im „harten“ Einsatz. Jetzt dachte ich, ich schreibe mal meine Erfahrungen hier rein, weil das bestimmt jemandem nützt.

Konfiguration:
Front-Getriebenabenmotor Q100H, 350 W, 201/min unter Last bei 38 V
Regler S06S
Steuerung weiß ich gerade nicht auswendig. Leistung 5-stufig, vieles programmierbar.
Pedaliersensor Kompaktmodell, keine Bremsgriffsensoren.
Akku an Flaschenhalterschrauben, 10S4P, 4x2,5 Ah, entspr. 360 Wh.
Alles bestellt bei bmsbattery, 370 € incl. Lieferung.

Eigenschaften:
Motor: 1. Getriebestufe schrägverzahnt, 2. Stufe geradverzahnt. Bei vollem Akku (39-40 V) kommt man leer tretend auf ca. 28 km/h; tritt man 150 W selbst dazu, kommt man auf 32 km/h. Bei leerem Akku (33-35V) entsprechend 23 bzw. 27 km/h. Da der Motor dann auf Nenndrehzahl läuft, ist der Wirkungsgrad sehr gut und er bleibt kalt. Mit der Steuerung lässt er sich auf 25 km/h begrenzen.

Akku: Hält bei Vollast (350 W) eine Stunde.

Einbauaufwand: Motor selbst eingespeicht mit vorh. Felge (28") und vorh. MTB-Speichen (26“), 3-fach gekreuzt. Felgenbremse, keine Scheibenbremse. Zwischen Gabel und Motorgehäuse sehr knapp (ATB-Gabel aus den 90ern).

Pedaliersensor: axial zu dick (zu wenig Platz zwischen Tretlager und Kurbel), Mitnehmer wurde nicht mitgenommen, weil zu weit inne, wo die Welle nciht mehr vierkantig ist, Sensorgehäuse keine Drehmomentabstützung, Gehäuse wollte mitdrehen. Gehäuse schmaler geschnitzt, Kurbel auf Tretlagerseite 3-4 mm abgeschliffen, aus Stahlblech Mitnehmer geschnitten, Sensorgehäuse mit Kabelbinder festgebunden. Bastelerfahrung erforderlich.

Elektrik: Kabel vom Akku zum Regler an Akkuanschluss+Reglerkabelenden anlöten, Rest kein Problem, alles plug+play.
Einsatz: Immer auf höchster Stufe. Bei jedem Wetter: Hitze, Regen, Frost, Salz. Auf guten Straßen, 37 bis 40er Mantel, 2,5-4 bar. Akku meist direkt vor Einsatz vollgeladen. Arbeitstäglich mit Systemgewicht 110 kg 2x7 km, 50 Hm, 20x von 0 auf 30 km/h; arbeitstäglich mit Systemgewicht 165 kg (Kinderanhänger) 4 km, 50 Hm/10% Steigung, 10x von 0 auf 30 km/h. Alle 2 Wochen mit Anhänger entweder 200 Hm oder kleine Tour (35 km/30 km/h).

Pflege: Vor erstem Einsatz Inspektion, Getriebefett getauscht gegen Fließfett (Konsistenz 00), Gehäuse- und Schraubengewinde gefettet. Bei 4.000 km Inspektion, ansonsten keine Pflege. Stellplatz teilweise im Regen.

Haltbarkeit: Nabe 1: Nach ½ Jahr habe ich sie überlastet: Vollast bei vollem Akku, 30°C im Schatten und 10 km/h (steilen Berg hoch). Nach 10 Minuten wurden die Nylonzahnräder weich und die Zähne bogen sich um.
Nabe 2: nach 4.000 km bekam das rechte Lager Spiel: Korrosion infolge Wassereintritt. Innen ansonsten unauffällig (Verzahnung, Freilauf, Lager, Elektrik). Lager getauscht, jetzt >5.000 km, befundfrei. Speichen normal, Stahl (kein Edelstahl), keine U-Scheiben an Nabenflanschlöchern, keine Schäden.

Elektrik: Die Steuerung ist angebl. wasserdicht, bekommt im Winter aber eine klare Plastiktüte drüber. Ansonsten keine Wasser- oder andere Schäden. Die Ladeschlussspannung driftete nach 1,5 Jahren hoch, ließ sich innen im Ladegerät mit Potentiometer nachregeln. Ladekabel-Isolierung direkt an Ladegerät löst sich allmählich, muss demnächst nachgesetzt werden.
Akku: Wird sehr selten ab-+angebaut, hat diverse Umfaller überstanden. Kapazität nach 1,5 Jahren noch weitgehend vorhanden.
Fahrbarkeit: Einwandfrei. Leistungseinsatz des Motors nicht abrupt, schlagfrei, das Drehmoment baut sich über ca. 1/3 s auf. Bei aufrechtem Sitz oder steil bergauf und rutschigem Boden (nass, Blätter, Schotter usw.) Durchdrehneigung (auf max. Stufe). Bei 45° Oberkörperwinkel kein Problem. Fahrgefühl ab Stufe 3: wie beim Auto mit Tempomat. Man beschleunigt zügig bis zur Nenndrehzahl, dort wird sanft „abgeregelt“.
Geräusche: elektronisch nichts. Mechanisch hört man die 2. Getriebestufe beim Beschleunigen, bei Marschfahrt aber nicht (Fahrtwind ist lauter). Stahlschutzbleche verstärken das Geräusch merkbar, leerer Pappkarton auf dem Gepäckträger verstärkt das Geräusch deutlich.

Fazit: Für Personen mit Schrauberfahrung ein kostengünstiger, alltagstauglicher Umbausatz. Geeignet zur Beschleunigung der alltäglichen Wege, leichten oder kurzen Steigungen (bis 8% oder max. 5-8 Minuten) und mit Anhänger. Für längere, steile Anstiege nicht. Die hohe Untersetzung hält lässt einen nicht "zu illegal" werden, sorgt für gute Beschleunigung und guten Wirkungsgrad.

Fragen beantworte ich gern, aber vielleicht nicht sofort.
 
RUBLIH

RUBLIH

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Schöne Detailbilder ...
 
jm1374

jm1374

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Details E-Antrieb
Bulls E45,06/13 87000km; Haibike Xduro FS RS
Ein Dauertest über 5000km? Ist ja niedlich. Nur leider überhaupt nicht aussagekräftig.
 
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Rollerfahrer

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5000 KM wären ja ok,
aber scheinbar nicht mit einer
Nabe?
 
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rd1956

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139
... Bei vollem Akku (39-40 V) kommt man leer tretend auf ca. 28 km/h; tritt man 150 W selbst dazu, kommt man auf 32 km/h. Bei leerem Akku (33-35V) entsprechend 23 bzw. 27 km/h. ...
Die 150W Eigenleistung glaube ich nicht. Laut Kreuzotter
Geschwindigkeit und Leistung auf Fahrrädern berechnen
braucht man bei einem eher ungünstigen MTB von 28km/h (190W) zusätzlich 100W um auf 32km/h zu kommen. Das halte ich für realistisch. 150W treten nicht sehr viel DAUERHAFT dazu auf einem e-bike.
Vom 23km/h (120W) sind es dann auch nur 70W mehr um auf 27km/h zu kommen. In der Ebenen müssten diese MTB-Werte recht gut für ein e-bike gelten.
Es kann natürlich sein, dass die Motorleistung in diesem Bereich deutlich abnimmt ??
 
S

Simon_D

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Die 150W Eigenleistung glaube ich nicht.
Es geht mir ja nicht darum, wieviel ich dauerhaft dazutrete, sondern wie sich Geschwindigkeit und Leistung bei diesem Motor mit dieser Nenndrehzahl (weil hier ja angenommen wird, 201/min sei zu langsam) beim Annähern an die Drehzahlgrenze verhalten. 0-150 W halte ich für eine realistische Bandbreite für die meisten Fahrer.

Es kann natürlich sein, dass die Motorleistung in diesem Bereich deutlich abnimmt ??
Ja, tut sie. Tritt jemand 0 W, erreicht er ca. 28 km/h, der Motor ist knapp über Nenndrehzahl und leistet lt. Kreuzotter ca. 200 W. Er wird nicht schneller, weil er da schon über der Nenndrehzahl ist. Tritt jemand 150 W, erreicht er 32 km/h, der Motor ist deutlich über Nenndrehzahl und leistet noch ca. 150 W. Ab 34-35 km/h läuft das Rad schneller als der Motor, der Fahrer leistet dann 350 W (wenn er es kann). Bei halbleerem Akku dann alles ein paar km/h langsamer.
 
R

Rollerfahrer

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Das konnte ich noch nicht testen weil mein Motor schneller ist, als ich treten kann.
:LOL:
Aber Spass beiseite,
in so fern macht es Sinn,
eher einen langsam gewickelten zu nehmen.
 
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