9 Euro oder Nulltarif im ÖPNV für 90 Tage?

Diskutiere 9 Euro oder Nulltarif im ÖPNV für 90 Tage? im Plauderecke Forum im Bereich Community; Das wird nur leider von vielen nicht gerne gehört, dass der ÖPNV nun besonders (je nach Tag und Uhrzeit) durch die Schnäppchenjäger und...
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ZNolte

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Das wird nur leider von vielen nicht gerne gehört, dass der ÖPNV nun besonders (je nach Tag und Uhrzeit) durch die Schnäppchenjäger und Freizeitfahrer belastet wird. Persönlich habe ich zumindest noch keinen Besitzer (Neukunde) eines neun Euro Tickets gesprochen, der das aus rein notwendigen finanziellen Gründen statt des Autos nutzt.

Die Argumentation der Leute ist eigentlich immer gleich. „Bei dem günstigen Preis kann man ja auch mal mit der Bahn nach xy fahren, selbst wenn man man 1-2x umsteigen muss.“.

Man muss es natürlich auch ganz klar sagen, dieses vergünstigte Ticket sollte der Gesamtbevölkerung etwas finanzielle Entlastung bringen. Da nahezu jeder mobil ist und sein möchte, kann man eben durch den Kauf eines solchen Tickets saftig im Monat sparen und so die gestiegenen Preise an anderer Stelle etwas ausgleichen.

Zudem können so die Städte und Kommunen entlastet werden, weil die den Differenzbetrag zum Normalpreis vom Bund ersetzt bekommen. Je mehr Käufer es für das subventionierte Ticket gibt, desto mehr profitieren auch die Verkehrsunternehmen, die durch die Pandemie extrem belastet wurden.

Der Kollateralschaden des übervollen ÖPNV war allerdings auch abzusehen. Der Deutsche ist eben ein Schnäppchenjäger, das ist bekannt. Nicht umsonst spricht man häufig vom Geiz ist geil Gefühl der Deutschen. Aber unter dem Strich bringt der positive Effekt wahrscheinlich mehr als der Ärger über die Umstände belastet.
 
greifswald

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Und leider wird man mit dem aktuellen Service potentielle Neukunden eher langfristig abschrecken.

Ich hatte nach 7 Jahren Bahnfahren auf einer nahezu optimalen Strecke (Ruhrgebiet, hohe Taktung, Arbeitgeber nahe hbf) die Schnauze voll und hatte mein Abo gekündigt, um 40km mit Pedelec zu pendeln.

Dann kam das 9€ ticket, so dass ich nach 1 Monat Pedelec doch wieder die Bahn teste.

Zu der schlechter geworden Taktung, extremer Unzuverlässigkeit (häufig Zugaufälle oder extreme Verspätung) kommen jetzt noch Menschenmassen in verkürzten Zügen.

Ich konnte früher nicht verstehen, warum sich so viele freiwillig täglich auf die A40 in den Stau stellen, obwohl nebenan der Regionalexpress mit 120kmh vorbei rauscht.

Durch die zuletzt immer schlechter werdende Planbarkeit bei Bahnfahrten gehöre ich bald auch zu den Staustehern.

Ich sitze jetzt im Zug, der 2 Minuten vor geplanter Einfahrt mit 35 Minuten Verspätung angekündigt wurde. In der App aber immer noch als pünktlich angezeigt wird.
Widersprüche von App, Anzeigetafel und Durchsagen gibt es regelmäßig.
 
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RobM

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Für mich persönlich ist das 9 Euro Ticket tatsächlich eine echte Ersparnis. Ich gebe zu, dass ich mehr Reisen, mit und ohne Pedelec, gemacht habe als sonst. Mein Glück war sicherlich, dass ich bei meinen Bahnreisen auf keine Probleme gestossen bin. Nur am ersten Pfingstwochenende habe ich die S-Bahn zum Flughafen gemieden, aber das war in den Vorjahren nicht anders.
Nicht nur deswegen finde ich das Ticket gut.
Endlich gibt es einen lauten Aufschrei in Politik und Medien um auch die Missstände in unserem Öffi System aufzuzeigen und nach Verbesserungen zu suchen. Wir alle wissen, dass dies nicht von heute auf morgen umsetzbar sein wird. Hätte es diese, auch negativen Erfahrungen nicht gegeben, würde alles wieder beim Alten bleiben.
Ganz verliere ich meine Skepsis nicht, bleibe aber voller Hoffnung, dass Schritt für Schritt die kritisierten Punkte elimiert werden und der Öffi gerade auch für Fahrradfahrer wieder attraktiv wird.
 
Fraenker

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Ganz verliere ich meine Skepsis nicht, bleibe aber voller Hoffnung, dass Schritt für Schritt die kritisierten Punkte elimiert werden
Sehe ich genauso. Allerdings rechne ich nicht mit einer deutlich spürbaren Verbesserung auf breiter Front innerhalb von ein paar Jahren. Da reden wir wohl realistisch eher über 10 - 20 Jahre. Aber irgendwann muß man ja mal anfangen.
 
Geierlamm

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Es gibt ein paar interessante Informationen.
Die höchste Autodichte pro Einwohner haben die vergleichsweise armen Bundesländer Rheinland Pfalz und das Saarland, die niedrigste Berlin und Hamburg.
Wenn öffentliche Verkehrsmittel vorhanden , dann werden sie auch genutzt.
Ich bin gespannt, wie sich der Autowahn entwickelt, wenn automatisiertes Fahren zur Regel wird und wirklich nur noch vorgestrige ein teures Auto zum Angeben halten.
Die Autoindustrie muss sich warm anziehen, wenn junge gut verdienende Menschen einfach ganz aufs Auto verzichten.

Ich hoffe ich erlebe es noch.

Gruss

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Meister783

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Die höchste Autodichte pro Einwohner haben die vergleichsweise armen Bundesländer Rheinland Pfalz und das Saarland, die niedrigste Berlin und Hamburg.
Woran wird das wohl liegen?
Hmmm
Der öffentliche Nahverkehr in ländlichen Gebieten lohnt sich kaum, deswegen ist er auch sehr eingeschränkt worden.
Das "zwingt" die Landbevölkerung Auto zu fahren.
Das ist hoffentlich nicht so schwer zu verstehen.
 
Geierlamm

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Woran wird das wohl liegen?
Hmmm
Der öffentliche Nahverkehr in ländlichen Gebieten lohnt sich kaum, deswegen ist er auch sehr eingeschränkt worden.
Das "zwingt" die Landbevölkerung Auto zu fahren.
Das ist hoffentlich nicht so schwer zu verstehen.
Natürlich ist mir das klar.
Gerade in ländlichen Gebieten gehört ein weiterentwickelter subventionierter öffentlicher Nahverkehr zur unabdingbaren Lebensqualität. Da wurde ungeheuer viel versäumt. Selbst dort wo noch vereinzelt Bahn und Bus fährt fahren sie zu selten und sind auch nicht wirtschaftlich. Ein gewöhnlicher DB Triebwagen wiegt ungefähr 90 t , wenn dann 10 Menschen drin sitzen, wären die besser Auto gefahren.
Genauso Busse, aber solange der Autoverkehr so hoch subventioniert wird und so wenig in intelligentere Verkehrssysteme investiert, wird sich nicht viel ändern.

Gruss

Geierlamm
 
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Doch es wird sich ändern, weil die Ressourcen begrenzt sind und auch die ausuferndste Subventionspolitik irgendwann an Grenzen gelangt.
Geht natürlich viel kaputt bis dahin.

Gruss


Geierlamm
 
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Der subvensionierte öffentliche Nahverkehr auf dem Land wird über sie Klinge springen.
Da er äußerst unrentabel ist.
 
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Wenn ich sehe das knapp 80% der Bevölkerung in den Metropolregionen leben
glaube ich nicht das das sich da etwas ändert.
Das stimmt natürlich. Es wäre ein guter Beginn, in den Metropolregionen den ÖPNV schon mal voranzutreiben. Man müsste eben z.B. über eine wohnortabhängige KFZ-Steuer eine Steuerung erfolgen, so daß es in den Metropolen uninteressant wird, ein eigenes Auto zu haben. Man darf einfach nicht alle Lebenssituationen/Regionen über einen Kamm scheren.
 
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Ein Stadtmaut wie in London täte es auch schon
Wir sind gerade von drei Wochen in London zurück. Dort ist die Benutzung des ÖPNV extrem kundenfreundlich.
Es fahren trotzdem viele dicke Karren dort rum - Geld machts möglich. Sozial gerecht ist das nicht, aber die Alternative funktioniert wenigstens auf akzeptable Weise.
 
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0lli

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Mal eine Frage... geht es um die Reduzierung der Anzahl der Autos oder "nur" die Reduzierung der Anzahl der Verbrennermotoren? Ich meine rausgelesen zu haben daß die einen die Anzahl der Autos reduzieren wollen, andere "nur" die Anzahl der Autos mit Verbrennermotoren.
Bei letzterem bleibt das Problem der verstopften Straßen gleich... so ca.
Bei ersterem fehlen die wirklichen Alternativen. ÖPNV? Vielleicht attraktiv für die, die "in der Stadt" wohnen mit guter Anbindung und Einkaufsmöglichkeiten um die Ecke.
Wie stellt ihr euch also den Alltag der Menschen vor, wenn die nicht mehr Auto fahren dürfen oder es sich nicht mehr leisten können? Alle mit Lastenrädern oder im ÖPNV unterwegs? Car-sharing massiv ausbauen?
 
Delphis1982

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Ich bin gespannt, wie sich der Autowahn entwickelt, wenn automatisiertes Fahren zur Regel wird und wirklich nur noch vorgestrige ein teures Auto zum Angeben halten.
Die Autoindustrie muss sich warm anziehen, wenn junge gut verdienende Menschen einfach ganz aufs Auto verzichten.

Ich hoffe ich erlebe es noch.

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Natürlich ist mir das klar.
Gerade in ländlichen Gebieten gehört ein weiterentwickelter subventionierter öffentlicher Nahverkehr zur unabdingbaren Lebensqualität. Da wurde ungeheuer viel versäumt. Selbst dort wo noch vereinzelt Bahn und Bus fährt fahren sie zu selten und sind auch nicht wirtschaftlich. Ein gewöhnlicher DB Triebwagen wiegt ungefähr 90 t , wenn dann 10 Menschen drin sitzen, wären die besser Auto gefahren.
Genauso Busse, aber solange der Autoverkehr so hoch subventioniert wird und so wenig in intelligentere Verkehrssysteme investiert, wird sich nicht viel ändern.

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Doch es wird sich ändern, weil die Ressourcen begrenzt sind und auch die ausuferndste Subventionspolitik irgendwann an Grenzen gelangt.
Geht natürlich viel kaputt bis dahin.

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Geierlamm
Richtig, die Ressourcen sind begrenzt, da kann man es sich daher nicht erlauben,
im ländlichen Gebiet quasi prophylaktisch Bus oder Bahn LEER fahren zu lassen, damit die Landbevölkerung einen halbwegs praktikablen Takt bekommt.
Diese unnützen Leerfahrten (oder NAHEZU Leerfahrten) blasen sowas von unnütz Ressourcen in die Luft,
da könnte das private Auto selbst mit Schweröl fahren, es wäre die reinste Umweltwohltat (solange Freizeitfahrten unterbleiben).
Und sogenannte Rufbusse, die quasi auf Anforderung fahren, sind eine Milchmädchenrechnung:
dann fährt die Privatperson eben nicht mit dem privaten Kleinwagen, sondern im dicken Minibus... ALLEINE (!). Sehr umweltfreundlich.
Es sei denn natürlich, die Busse fahren mit Strom und dieser kommt 100% (!!!) aus erneuerbaren Energien (Bio-Gas gehört NICHT dazu, meiner Meinung nach).
Dürfte derzeit eher unwahrscheinlich sein, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Derzeit fahren diese Viecher nunmal mit Diesel, da die weitläufigen Fahrten sonst kaum zu schaffen sind.
Solange sich das nicht ändert, sollte man den eng getakteten ÖPNV dort lassen, wo er am meisten Sinn macht: in Städten.

So sehr ich mir eine autofreie Stadt wünschen würde, AUTONOMES Fahren???
Das könnte für viele Radfahrer (allerdings auch Fußgänger) ein bitterböses Erwachen geben.
Ich stelle mir gerade vor, dass diese Autos schon aus rechtlichen Gründen alle Fahrten aufzeichnen werden (damit meine ich Videoaufzeichnungen),
da möchte ich mir nicht vorstellen, dass dann eventuell rauskommt, wie scheiße sich viele RADFAHRER auf der Straße benehmen,
wenn diese quasi in Kamikazemanier völlig blind und taub über die Kreuzung jagen und unzählige Notbremsungen auslösen werden.
Das dürfte wohl alles schon aus Haftungsgründen protokollliert werden, damit man nachvollziehen kann, wer den Unfall oder die Verzögerungen verursacht hat.
Autonome Autos halten sich nämlich garantiert strikter an die Vorschriften, als jeder menschliche Fahrer (egal, ob Auto oder Rad).
 
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Bitte vergesst nicht den Grund des 9 Euro Tickets :
Die Nutzer des Öffi finanziell zu entlasten und nicht um Autofahrer zur verbannen.

Für die Autofahrer gab es auch eine (geplante) Entlastung (steht nicht zur Diskussion hier)

Wer gerne über Maßnahmen zur Verbannung von Autos diskutieren möchte, nutze bitte diese vorhandenen Threads:

Innenstadt ohne Autos, Paris ab 2022, in Berlin auch irgendwann?

Tempo 30 in den Städten und andere Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, der Umwelt und Lebensqualität
 
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Unter anderem PUMA, BMC, BIONX, BAFANG, AKM,…
So ist es @RobM . Ja, bei dem Thema gehen schnell mal die Pferdchen durch hier im Forum.
 
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