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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Akkuweisheiten?



sehbaer
28.11.2008, 23:12
Ich lese nun schon eine Weile hier im Forum recht interessante Ansichten zum Thema Akkutechnologien. Meine bisher gemachten Erfahrungen sehen gelegentlich anders aus und lassen sich auf ein paar wenige Punkte eindampfen:

1.) Herstellerangaben:
sind Laborwerte und oft nicht praxisrelevant. Kapazität ist nicht alles und taugt höchstens zum "Schwanzlängenvergleich". Für den Batteriebau wichtige Angaben über die Serienstreuung der Innenwiderstände und Kapazitäten fehlen in der Regel. Ein Beispiel "zum Anfassen" aus der Praxis:
Ein Grund für die erheblich geringeren Kapazitäten bei Industriezellen im Vergleich zu Consumerzellen ist das Augenmerk auf eine möglichst geringe Serienstreuung. Eine Mignon AA als Consumerzelle kann man leicht mit 2700mAh und mehr bekommen (habe auch schon 3900mAh Angaben gesehen, weia!). Bei den Industriezellen ist quasi 2000mAh im Moment bei NiMh AA Standard. Daraus kann man dann aber auch gescheite Batterien mit ein paar mehr Zellen bauen, die auch eine Weile ihre Leistung in der Praxis halten.

2.) Batteriebau:
Auch aus "guten" Zellen kann man leicht eine "schlechte" Batterie bauen. Man muß sie z.B. nur zu dicht genug packen und/oder reichlich parallel schalten. Da ich früher selbst einmal Elektron war, kann ich euch verraten, daß dann die eine der parallel verschalteten Zellen mit dem geringsten Innnenwiderstand die Arbeit verrichtet während die parallelen Kollegen nebenan eher eine ruhige Kugel schieben. Die erwartete Teamarbeit in Form von Kapazität und Lebensdauer entfällt dann eher. Wer also erwartet aus 55 Einzelzellen mit 3,3V 2300mAh eine Batterie mit längerfristig 36V 11,5Ah zu erhalten ist naiv.
Fazit: Je weniger Zellen, desto geiler die Batterie!

3.) Lebensdauer:
Wie im richtigen Leben. Je weniger man eine Batterie quält, desto länger bleibt sie einem treu. Quälen kann man Batterien auf vielerlei Arten. In der Praxis ist das verbreitetste Übel sicher das längere Lagern einer entladenen Batterie. Bei Lithium-Ionen (Kobalt) Batterien ist das ganz besonders kritisch, weil die Selbstentladung die Zelle dann unter die Tiefentladegrenze bringt. Das hat in der Regel eine unwiederbringliche Zerstörung der Zelle zu Folge. Nickelsysteme und besonders NiCd sind da wesentlich unempfindlicher und lassen sich in der Regel wiederbeleben.
Ein anderes Übel ist eine zu hohe Zellentemperatur. Von wenigen Exoten abgesehen reagieren alle Batteriesysteme unerfreulich mit Unpässlichkeit in Form von verkürzter Lebensdauer oder gar der spontanen Zerstörung (z.B. thermal runaway bei Bleibatterien). Dabei gilt zu bedenken, daß eine äußerlich gerade einmal handwarme Batterie im Inneren bereits zu heiße Bereiche haben kann. Das ist z.B. bei gestapelten LiPo Zellen ganz schnell ein Problem.

4.) Sicherheit:
Viel Energie auf kleinem Raum(Gewicht) birgt Risiken. Das ist ganz unabhängig von Technologie (und Ideologie) zu verstehen. Die Sicherheit wurde bisher als eher entbehrlich angesehen, als das Leistungsvermögen. Zur Zeit findet bei den Zellenherstellern un Batteriebauern allerdings ein Umdenken statt. Das mangelnde Sicherheitsbewußtsein führte zu spürbaren Handelshemmnissen in Form von Gefahrgutbestimmungen nach abgebrannten Frachtverteilzentren, Flugzeugen, LKW, etc..

5.) Marketing:
Als die ach so bösen Lithium-Ionen Nachbauakkus für ein finnisches Telefon von unabhängiger Stelle geprüft wurden, stellte sich der finnische "Orignal" made in China NiMh Akku mit dem schicken Hologramm als besonders guter Brandsatz heraus. Auch ist ein beliebtes japanisches Mittelklasse-Hybridfahrzeug abgefackelt bei dem Versuch mit den vielgelobten Zellen mit der "Nano"-Silbe zu fahren.

[B]Fazit: Es kommt nicht auf die "Schwanzlänge" an, sondern das Gesamtsystem. Dabei geht nichts über Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung ;).

labella-baron
29.11.2008, 00:56
Meine bisher gemachten Erfahrungen sehen gelegentlich anders aus und lassen sich auf ein paar wenige Punkte eindampfen:

1.) Herstellerangaben: (...)

[b]Fazit: Es kommt nicht auf die "Schwanzlänge" an, sondern das Gesamtsystem. Dabei geht nichts über Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung ;).Erstklassiger Beitrag!

hkranawetter
29.11.2008, 13:51
super beitrag,

wenn der Pack lange halten soll, dann bedarf es schon eines erfahrenen Herstellers, nurs weil z.B. LiFePo4 draufsteht, kann das eine lausiger pack sein, wenn ihn der falsche gemacht hat,

kranawetter

cephalotus
29.11.2008, 14:59
Ein Beispiel "zum Anfassen" aus der Praxis:
Ein Grund für die erheblich geringeren Kapazitäten bei Industriezellen im Vergleich zu Consumerzellen ist das Augenmerk auf eine möglichst geringe Serienstreuung. Eine Mignon AA als Consumerzelle kann man leicht mit 2700mAh und mehr bekommen (habe auch schon 3900mAh Angaben gesehen, weia!). Bei den Industriezellen ist quasi 2000mAh im Moment bei NiMh AA Standard. Daraus kann man dann aber auch gescheite Batterien mit ein paar mehr Zellen bauen, die auch eine Weile ihre Leistung in der Praxis halten.


was in der Regel aber an so Dingen wie Dicke des Zellmantels, Qualität der Seperatoren und bei NiMh z.B. auch Überschussmenege an Metalhydrid (für die nötige Rekombination mit Sauerstoffüberschüss bei Überladen) zusammenhängt.
All das ist wichtig für eine lange Lebensdauer und zuverlässigen Betrieb, kostet aber Platz für reaktives Material und somit Kapazität.


Da ich früher selbst einmal Elektron war, kann ich euch verraten, daß dann die eine der parallel verschalteten Zellen mit dem geringsten Innnenwiderstand die Arbeit verrichtet während die parallelen Kollegen nebenan eher eine ruhige Kugel schieben.Nun, die Zelle mit dem niedrigsten Ri hat den kleinsten Spannungsabfall bei gegebener Stromstärke. Wird sie nun stärker belastet, dann steigt der Sapnnungsabfall bis es ein Gleichgewicht ergibt.
Gegen Ende der Entladung bricht dann die Spannung stärker ein und die bisher weniger bleasteten Zellen übernehmen die Hauptarbeit.

Nur bei Teilentladungen würde als die Zelle mit kleinem Ri etwas stärker entladen werden, was sie im Laufe vieler Zyklen etwas schwächen würde (aber die stärkste Zelle zu schwächen ist ja nicht das Problem).

Von daher würde mich die Begründung für Deine Aussage mal interessieren.


3.) Lebensdauer:
Wie im richtigen Leben. Je weniger man eine Batterie quält, desto länger bleibt sie einem treu. Quälen kann man Batterien auf vielerlei Arten. In der Praxis ist das verbreitetste Übel sicher das längere Lagern einer entladenen Batterie. Bei Lithium-Ionen (Kobalt) Batterien ist das ganz besonders kritisch, weil die Selbstentladung die Zelle dann unter die Tiefentladegrenze bringt. Das hat in der Regel eine unwiederbringliche Zerstörung der Zelle zu Folge. Nickelsysteme und besonders NiCd sind da wesentlich unempfindlicher und lassen sich in der Regel wiederbeleben.hängt von der Zellchemie ab.
Tiefentladene Bleiakkus sind nach ein paar Tagen weitgehend Schrott, während man z.B. nasse NiCd Zellen sogar kurzgeschlossen lagern soll (natürlich nach vollständiger Entladung).
Bei Lithium ist es umso besser, je weniger drin ist, allerdings darf man halt nicht in den Tiefentladebereich kommen.



[b]Fazit: Es kommt nicht auf die "Schwanzlänge" an, sondern das Gesamtsystem. Dabei geht nichts über Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung ;).
Ich würde sagen, es hängt vom Anwedungsfall ab und wa sman von seinem Akku erwartet.

Soll er sicher sein, soll er bei -15°C funktionieren, soll er bei +50°C funktionieren, soll er 1000 Zyklen leben, mag man ihn pflegen oder einstecken und vergessen, spielt das Gewicht eine Rolle, usw, usf...

DEN idealen Akku gibt es nicht.

Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass für betsimmte Anwedungen im Pedelec-Bereich auch der alte NiCd Akku noch ganz interessant wäre, wenn man keine hohen Kapazitäten braucht, dafür aber einen Akku möchte, der auch bei -15°C gut läuft und wenig kostet.

mfg

Superbike
29.11.2008, 15:36
...geht nichts über Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung ;).
Das denke ich auch, super Beitrag.

Kilometerfresser
16.12.2008, 11:06
HALLO
Hier habe ich einen Link gefunden bei dem es um Fundiertes Akkuwissen geht
fachliteraturhinweise sind auch dabei
http://www.elektroniknet.de/home/stromversorgung/fachwissen/uebersicht/uebersicht/batterienakkus/lithiumion-akku-ist-nicht-gleich-lithiumion-akku/druckversion/

einen schönen tag noch wünscht euch der
Kilometerfresser

sehbaer
16.12.2008, 14:07
Noch mehr von Isidor Buchmann gibt es hier:

batteryuniversity.com (http://www.batteryuniversity.com/index-german.htm)

Darauf ist hier im Forum gelegentlich schon hingewiesen worden, aber man kann diese Seite nicht oft genug empfehlen. Und zu Akkuweisheiten passt es ganz besonders gut.

Für die Zweifler an meinen Bedenken der Parallelschaltung sei besonders hierhin verwiesen:

Serie- und Parallelschaltung von Batterien (http://www.batteryuniversity.com/partone-24-german.htm)


Parallelschaltung mit einer fehlerhaften Zelle
Eine schwache Zelle beeinflusst die Spannung nicht, ergibt aber eine kürzere Einsatzzeit. Eine kurzgeschlossene Zelle kann eine zu starke Erhitzung bewirken; die Batterie kann sich entzünden.

Gerade auf so einer "Rappelbude" wie ein Pedelec es ist, würde ich nicht darauf bauen, daß alle Separatoren ewig halten.

crumly
16.12.2008, 14:14
Noch mehr von Isidor Buchmann gibt es hier:

batteryuniversity.com (http://www.batteryuniversity.com/index-german.htm)

Darauf ist hier im Forum gelegentlich schon hingewiesen worden, aber man kann diese Seite nicht oft genug empfehlen. Und zu Akkuweisheiten passt es ganz besonders gut.

Für die Zweifler an meinen Bedenken der Parallelschaltung sei besonders hierhin verwiesen:

Serie- und Parallelschaltung von Batterien (http://www.batteryuniversity.com/partone-24-german.htm)



Gerade auf so einer "Rappelbude" wie ein Pedelec es ist, würde ich nicht darauf bauen, daß alle Separatoren ewig halten.

Seite scheint ganz gut zu sein, recht anschaulich.

In einer Parallelschaltung sehe ich jetzt kein Problem, sondern eher soagar einen Vorteil, weil sich stärkere und schwächere Zellen ausgleichen können.

Habt ihr denn schon mal Laptopakkus auseinander genommen? Also ich habe bislang noch keinen angetroffen, wo n i c h t Zellen parallel verschaltet wären.

sehbaer
16.12.2008, 14:32
Habt ihr denn schon mal Laptopakkus auseinander genommen? Ich, habe bislang noch keinen angetroffen, wo n i c h t Zellen parallel verschaltet wären.

Deshalb brennen die auch so gut :rolleyes:. Da werden Zellen mit größtmöglicher Kapazität bis an die Grenzen der Spezifikation ohne Schutzdioden (zu teuer) bei Parallelverschaltung betrieben. Wenn dann 'was klemmt, brennt's halt gerne einmal. Die in meinen Augen besseren Batterien mit weniger Kapazität und höherer Sicherheit und Lebensdauer, machen sich schlecht im Datenblatt der Notebookhersteller. Notebookbatterien sind in der Regel billigst mögliche Massenware.

crumly
16.12.2008, 14:51
Deshalb brennen die auch so gut :rolleyes:.

Na ja, nun, die brennen doch auch nicht öfter als sagen wir mal Häuser durch Blitzeinschläge.

Und solche Restrisiken fallen doch für Elektroradler unter das Kleingedruckte:rolleyes:.